Donnerstag, 28. Juli 2016

Was man sich so zu sagen hat...Hundekontakt menschlich gesehen

Jomo trifft Ronja. Jomo, ein kastrierter erwachsener 7 Jahre alter und ernsthafter Hund mit gewisser Veranlagung zur territorialen Sicherheitsveranwortung trifft auf die optisch bereits bekannte aber noch nicht wirklich kennengelernte 2-jährige unkastrierte Hündin Ronja. 
 Was nun folgt, sind Beobachtungen und meine eigene Interpretation (der man nicht folgen muss).
 Die Hunde trafen bei Jomo zuhause auf der spärlich eingezäunten Freifläche aufeinander. Ronja ist diese Fläche bekannt, Jomo zählt sie zu seinem Territorium. Zunächst begeben sich beide Frauchen mit den Hunden in einigem Abstand zueinander auf die Fläche und setzen sich gegenüber hin. Die Hunde legen sich alsbald nieder, allerdings durchaus einander zugeneigt und mit Interesse aneinander. Als bei beiden Hunden die Erwartungsanspannung deutlich nachlässt, lösen die Besitzerinnen unaufgeregt die Leinen von den Halsbändern und erlauben ohne viel Akzentuierung beiden Hunden, sich zu entfernen. Jomo läuft zu Ronja, kreuzt kurz vor ihr und beginnt Runden zu drehen, um für Ronja den Hasen zu machen. Nach ein paar Runden, in denen er feststellt, daß Ronja seiner Geschwindigkeit offenbar nicht gewachsen ist und sie frustriert zu bellen beginnt, hört Jomo auf zu rennen und trabt außen am Zaun entlang: Rute hoch, federnden Schrittes sucht er gezielt strategische günstige Stellen auf, um zu markieren. Ronja folgt ihm und schnuppert hinter seinen Markierungen her. Leider schafft seine Blase nur die halbe Runde, so läuft er eine zweite und markiert auf der zweiten Hälfte nochmals dreifach an den noch nicht markierten Stellen. So zeigt er Ronja, daß er durchaus Qualitäten als Sicherheitsbeamter anzubieten hat, da er sich als erwachsener ernsthafter und territorialer Hund mit hündischen Bedürfnissen sehr gut auskennt: Safety first! So könnte er, sollte es zu einer Eheschließung kommen, durchaus seine Familie samt Nachwuchs gegen Feinde verteidigen und im Territorium für Sicherheit sorgen. Diese Botschaft ist an Ronja gerichtet, die dafür allerdings nicht viel übrig hat. Sie trabt hinter Jomo her, scheint aber nicht wirklich zu wissen, wie wichtig dieser Job ist. Vermutlich ist sie dafür noch zu jung.
 Als nächstes erklärt ihr Jomo, daß man nun, da alles gesichert ist, auch jagdlich etwas unternehmen könnte: Er setzt sich hinter den Treibball, der auf der Fläche liegt und wirft erst Ronja und dann mir einen Blick zu. Ronja kennt noch keinen Treibball und weiß damit auch nichts anzufangen, womit Jomo allerdings nicht rechnen kann, denn in seiner Welt sind Hunde durchaus jagdlich aktiv und das auch mit großen Bällen. Er fragt also auch mich, ob ich mir vorstellen könnte, jetzt jagdlich aktiv zu sein, um das zweite große Grundbedürfnis des Hundes zu stillen: Jagen und Nahrungsaufnahme.
 Ich gehe auf diesen Vorschlag nicht ein, denn ich möchte wissen, wie die Geschichte nun weitergeht. Daraufhin verlässt Jomo den Platz hinter dem Treibball und macht eine Spielaufforderung Richtung Ronja. Er lässt sich nochmal eine Runde von ihr jagen, um festzustellen, daß sie immer noch zu langsam für ihn ist. Er verliert die Lust und erklärt mir, daß er Ronja zwar ganz nett findet, aber sie offenbar doch nicht die richtige Partnerin für ihn sei. Wir verlassen in Ruhe mit beiden Hunden die Fläche. Beide laufen entspannt und an lockerer Leine neben uns her in einer Reihe.
 Ich bin mir sicher, Ronja und Jomo sind und bleiben gute Freunde - mehr aber auch nicht. Und für alle, die diese Interpretation für übertrieben vermenschlicht halten: Ich bin mir sicher, würde man diesen Ablauf des Treffens so nicht interpretieren, würde man den Moment verpassen, das Treffen zu beenden. Dies würde möglicherweise dazu führen, daß Jomo es hätte beenden müssen und wäre vermultich der Moment, von dem es dann später heißt: Plötzlich ist es gekippt und beide haben sich in die Haare bekommen. Ganz sicher aber hätte es auch etwas mit der Beziehung zu mir und zukünftigen Sozialkontakten zu Argenossen gemacht: Sollte man die Zeichen und Kommunikation seines Hundes nicht verstehen wollen, um nicht zu vermenschlichen oder unwissenschaftlich zu interpretieren, geht einem einfach ganz viel Information flöten. Jeder kann für sich selber wählen, hinzusehen und zu lernen oder wegzusehen und sich dann über den Verlauf zu wundern. Für mich ist jede Situation mit meinem Hund und seiner Kommunikation ein Zugewinn - es gibt nichts Spannenderes aus meiner Sicht.
 Ich wünsche allen Menschen ganz viele Momente des Hinsehens und der unglaublich faszinierenden Ausdrucksweise von Hunden und den Mut, hinzusehen und hineinzuinterpretieren - einfach ganz unwissenschaftlich.

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