Donnerstag, 4. August 2016

Wenn Dein Hund Autofahren zum Kotzen findet...

 Es ist ein weit verbreitetes Problem. Der Hund mag nicht Auto fahren. Entweder wird ihm so schlecht, daß er sich übergeben muß oder aber er hechelt, ist unruhig, fiept vielleicht und schließlich meidet er die Nähe des Fahrzeugs und weigert sich, einzusteigen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen, manchmal bleibt die Problematik trotz Medikamenten oder Naturheilkunde bestehen. Jede noch so kleine Strecke wird zur Tortour für Hund und HalterIn. Die Nerven liegen auf beiden Seiten blank und zuletzt wird entschieden, daß der Hund daheim bleiben muß oder in die Pension geht, wenn man in den Urlaub fährt. Aus dem Traum vom Begleiter Hund, der überall dabei sein kann, wird der Alptraum: Wohin mit dem Hund, wenn man mobil sein will? Die Lebensqualität wird stark eingeschränkt, wenn man einen Hund hat, der Autofahren zum Kotzen findet. 
Die Tiermedizin lockt mit diversen sogenannten Antiemetika, Reisetabletten für den Hund, die gegen Übelkeit wirken sollen. Kann klappen, muß aber nicht. Was tun?

WENN DAS AUTO ZUM PROBLEM FÜR DEN HUND WIRD:

Symptome: 
- Speicheln, Hecheln, Sabbern, Schmatzen, erhöhter Puls, ängstlicher Blick, Unruhe, Lautäußerungen wie Jaulen oder Winseln, Erbrechen. In schwerwiegenden Fällen schon beim Anblick bzw. Annäherung ans Auto

Diagnose 1: Übelkeit und Reisekrankheit

Ätiologie:
- Irritation bzw. Störung des Gleichgewichtssinn evtl. durch Erkrankungen des Innenohres
- Der Gleichgewichtssinn ist bei Jungtieren noch nicht voll ausgereift. Dies kann Reiseübelkeit hervorrufen, die möglicherweise nach einiger Zeit von selber verschwindet, meist im Alter von ca. 12 Monaten.

Therapie:
- Antiemetika vom Tierarzt
- Bachblüten
- Naturheilkunde
- Pflanzenextrakte wie z.B. Ingwer
- Akupunktur
- Akupressur
- Verändern der Reiseposition: Im Kofferraum ist es häufig sehr laut, schlecht belüftet und schlecht gefedert (viele Vibrationen), manchmal reicht es schon, den Hund auf der Rücksitzbank oder im Fußraum unterzubringen.

Doch nicht jede Problematik mit dem Autofahren ist automatisch auf Übelkeit oder Reisekrankheit zurückzuführen. Folgende "Differentialdiagnosen" sollten unbedingt berücksichtigt werden. Vor allem, wenn z.B. Antiemetika vom Tierarzt nicht helfen, sollte an andere Ursachen gedacht werden:

Diagnose 2: Fehlverknüpfung
 - Wird der Hund zu einem Zeitpunkt transportiert, als es ihm zum Beispiel durch einen Magen-Darm-Infekt schlecht geht, kann es zu einer Fehlverknüpfung der Übelkeit mit dem Auto kommen. Nachfolgend meidet der Hund das Auto, da er erwartet, daß ihm wieder übel wird.

Therapie:
- Desensibilisierung

Diagnose 3: Aufregung
 - Wird der Hund in der Regel mit dem Auto zu aufregenden Aktivitäten gefahren, kann sich der Hund derart in eine Erwartungshaltung hineinsteigern, daß ihm übel wird

Therapie:
- Fahrten nur noch zu Orten, an denen nichts für bzw. mit dem Hund geschieht.
- Durchbrechen der Erwartungshaltung
- Überlegen, ob die Aktivitäten wirklich zum Vorteil des Hundes sind, wenn sie ihn im Vorfeld schon so sehr aufregen

Diagnose 4: Dehydrierung
 - Gehört zum Symptombild vor allem Sabbern und Speicheln und schluckt der Hund den Speichel nicht ab (was die Übelkeit verstärken würde), dann verliert der Hund durch das Hecheln und Speicheln sehr schnell sehr viel Flüssigkeit. Diese Dehydrierung belastet den Kreislauf stark, was wiederum die Übelkeit verstärkt

Therapie:
- Mindestens jede Stunde eine Pause einlegen und erst weiterfahren, wenn der Hund getrunken hat. Zur Not das Wasser mit Brühe attraktiver machen.

Diagnose 5: Angst
 - Hat der Hund mit dem Auto oder dem Fahren schlechte Erfahrungen gemacht, wird er das Auto meiden. Dazu zählen zum Beispiel Unfälle aber auch Schimpfen oder Stress vom Besitzer können ausreichen, einen sensiblen Hund zu verunsichern und ihn zu ängstigen

Therapie:
- Desensibilisierung

Diagnose 6: Unsicherheit
- Manche Hunde können nicht loslassen, schaffen es nicht, sich der Bewegung des Autos anzupassen. Oder der Hund hat eine schlechte Erfahrung im Auto gemacht als möglicherweise die nicht gesicherte Box in einer Kurve oder anderen Situation im Fahrzeug verrutscht ist. Für diese Hunde bedeutet jede Bewegung des Fahrzeugs ein Balanceakt. Sie versuchen alles auszugleichen, wollen auf keinen Fall liegen. Die Daueranspannung der Muskulatur ermüdet extrem und strengt so an, daß die Hunde hochfrequent hecheln.

Therapie: 
- Der Hund muß langsam an die Bewegungen des Fahrzeugs gewöhnt werden.
- Möglicherweise ist die Unterbringung in einer engen Hundebox mit großzügiger Auspolsterung eine gute Wahl. Die Box darf jedoch auf gar keinen Fall rutschen oder sich selbständig bewegen
- Alternativ reisen solche Hunde auf dem Schoß eines Mitfahrers, der den Hund stabilisiert und fest hält. Natürlich muß der Hund mit einem Sicherheitsgeschirr und Gurt fixiert und gesichert werden.

Diagnose 7: Augentinnitus
- Manche Hunde können die Licht- und Bildeffekte im Nahbereich beim Autofahren nicht verarbeiten. Das Nervensystem ist mit vielen schnellen Bildern möglicherweise überfordert. Dies betrifft vor allem Hunde mit langen Nasen, da diese in der Regel weitsichtig sind.

Therapie:
- Sichtmöglichkeiten nehmen durch Abhängen der Fensterscheiben oder der Box

Diagnose 8: Geräusche
- Reifen- oder Windgeräusche machen dem Hund Angst

Therapie:
- Desensibilisierung

 Alle diese Maßnahmen sind möglichst unter fachkundiger Anleitung durchzuführen. Wenn der Hund das Autofahren zum Kotzen findet, ist es wichtig, herauszufinden, warum. Nur so kann man eine erfolgversprechende Therapie des Problems finden. Besonders wichtig ist, solange man sich mit dem Hund in der Therapiephase befindet, sollte es keine Situation mehr geben, in der ihm übel wird. Ansonsten könnte es den Erfolg der Therapie gefährden. Jedes weitere Mal macht die ganze Angelegenheit problematischer.
In diesem Sinne wünsche ich allen Mensch-Hund Teams allzeit gute Fahrt und hoffe sehr, mit dieser Übersicht einigen Hunden helfen zu können, damit sie zukünftig die Fahrten mit ihren Besitzern wieder entspannt genießen können.

 

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