Donnerstag, 13. April 2017

Achtung! Leckerchen könnten Deine Beziehung gefährden!

Manchmal wünsche ich mir Umverpackungen für das Hundetraining. Umverpackungen, auf denen Warnhinweise stehen oder besser noch - Warnungen, die fotografisch festgehalten sind wie auf den Zigarettenpackungen zur Abschreckung. Schließlich sollen diese Warnhinweise über die Wahrheit zu dem angebotenen Produkt aufklären. Und genau das würde ich mir fairerweise für den Verbraucher, den Hundebesitzer wünschen. Stattdessen wird ein Produkt verkauft, eine Theorie, eine Philosophie, die dem Menschen glauben machen will, so würde man eine Beziehung zum Hund aufbauen. Allein die Wahrheit über die Qualität der Beziehung wird nicht genannt.

Lerntheorien werden heruntergebetet, als wüsste man wissenschaftlich gesehen, nicht längst viel mehr. Theorien, nach denen sich Hundeverhalten aufgrund von Reiz-Reaktionsmustern und durch Versuch und Irrtum erklärt. Theorien, nach denen Menschen überzeugt behaupten, ihr Umgang mit dem Hund wäre ausschließlich positiv. Es geht sogar so weit, daß Menschen behaupten, ALLES Verhalten, auch das von Menschen sei konditioniert.

Gerade Hundetrainer, die sehr oft von sich behaupten, sie würden den Job nicht des Geldes wegen ausüben, sondern weil sie sich berufen fühlen, strafen sich selber Lügen, wenn ihr Training auf der Grundlage von Konditionierungen und dem Belohnungssystem für den Umgang mit dem Hund basiert.
Und der Hund bringt uns an unsere Grenzen. Ganz schnell. Dann muß man aufrüsten, attraktiver für den Hund werden, das XXL-Leckerchen oder die Superbelohnung hervorzaubern, damit er das verlangte Verhalten zeigt, der Abruf klappt oder eine andere Dressur. Die Entscheidung, etwas zu tun, bleibt aber bis zuletzt beim Hund. Und genau das kriegt der Hundebesitzer zu spüren. Auf dem Platz klappt es gut, draußen und im Alltag nicht. Dann muß man es eben üben oder das Timing des Hundebesitzers ist schlecht. Ja so einfach ist das eben nur nach den Lerntheorien. Die Wahrheit ist eine andere. Die Wahrheit ist, daß man nach dem Tierschutzgesetz dazu angehalten ist, die Grundbedürfnisse des Hundes zu erfüllen. Nahrungsaufnahme gehört dazu. Demnach ist das Vorenthalten von Nahrung durchaus kritisch zu bewerten. Gleiches gilt für soziale Zuwendung und Integration des Hundes.
Die Wahrheit ist, daß der Hund in jeder seiner Aktivitäten eigene Prioritäten setzt und nicht selten halten Hunde ihre Menschen zum Narren, lassen sie warten und verweigern die Mitarbeit. Andere Hunde würden für ein Leckerchen oder die Belohnung schier alles tun. Ist es tatsächlich die Belohnung oder vielmehr die letzte Chance in sozialen Kontakt zum Menschen zu kommen? Nicht selten würden solche Hunde sich auch problemlos mit dem Leckerchen oder Spielzeug von ihren Menschen wegführen lassen - welche Qualität hat eine solche Bindung? Welche Rolle spielt für den Hund eigentlich SEIN Mensch? Ist er ihm nur zugewandt, weil der Hund keine andere Wahl hat? Er kann schließlich nicht gehen - wohin denn auch? Ist der Mensch der Futterautomat? Wie sieht der Hund seinen Menschen? Wie sozial ist er tatsächlich an ihn gebunden? Oder ist es eigentlich egal, wer den Ball oder das Leckerchen wirft? 
Schaut man sich verschiedene Untersuchungen an, wird schnell klar: Für den Hund ist soziale Anerkennung und Integration in die menschliche Familie wichtiger als das Leckerchen. Das Bindungshormon Oxytocin wird bei Blickkontakt und körperlicher Nähe ausgeschüttet, nicht beim Fressen. Hunde untereinander belohnen sich nicht mit Leckerchen und würde der Hund sich entscheiden können zwischen einem Leckerchen-gebenden Menschen und einem Artgenossen, würde er sich erst das Leckerchen holen, aber seine soziale Zuwendung und Aufmerksamkeit bliebe bei seinem Artgenossen, von dem er mehr zu erwarten hat, als nur einen Keks.
Futter bzw. Beute(-ersatz) spielt bei Hunden eine große Rolle in der Kommunikation und Erziehung. Beutetragen und -verwalten ist ein wichtiges Kennzeichnen des Fürsorgepartners, in der Regel der Elterntiere. Kein Hund würde ernst genommen werden von einem Artgenossen, wenn er inflationär mit Futter um sich schmeißen würde, genauso wie wir Menschen wenig zuverlässig finden, wenn sie mit wertvollen Dingen nicht umsichtig umgehen.

Macht der Hund früh, im schlimmsten Fall als Welpe, die Erfahrung, daß Menschen nicht ernst zu nehmen sind, keine Ahnung von der Interpretation hündischer Kommunikation haben und vom Hund erwarten, daß er in einer künstlichen und von Menschen erschaffenen Welt der Geschäftsbeziehung lebt, wird sich das automatisch auf die Qualität der Beziehung auswirken. Es wird eine unnatürliche, künstliche Form der Beziehung werden, wenn der Hund sich überhaupt darauf einlässt. Nicht selten sehe ich Hunde, die selbst in hohem Alter noch, verzweifelt versuchen, mit ihren Menschen in Kontakt zu treten - vergebens. Die natürlichste Form der Beziehung wäre die, in die der Hund hineingeboren wurde. Die geprägt ist von sozialer Interaktion, von Lernen am Vorbild "Mama", durch natürliche Orientierung am Muttertier, weil sie für Schutz sorgt und weiß, wie das Leben funzt, von Integration des Hundes in die Gruppe angesichts seiner Kompetenzen, von freiwilliger Mitarbeit ohne Zwang aber mit Konsequenzen, die den Rahmen schaffen, miteinander zu leben. Das ist das, was der Hund erwartet, wenn er zu uns kommt. Das ist das, wozu wir eigentlich verpflichtet sind, es zu leisten.

Wie schade für alle Menschen und Hunde, deren Beziehung so desolat ist, daß der Mensch für den Hund keine bedeutende Rolle mehr spielt. Eine Beziehung zwischen Mensch und Hund kann so innig und vertraut sein, so erfüllend und beglückend für beide Seiten. Es ist nie zu spät, damit anzufangen, eine sichere Bindung und innige Beziehung zu seinem Hund aufzubauen, doch dieser Weg führt nicht durch die Hand, sondern durch Herz und Hirn.

für mehr Hintergrundinfos: bitte hier klicken



Kommentare:

  1. Ein sehr guter Artikel,kann ich ganz und gar unterschreiben Danke dafür

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  2. Ja so ist es... meistens keine gute Beziehungen mit Erziehung, sondern Manipulation!

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  3. Das klingt nachvollziehbar. Nur wie sieht denn der Weg mit Herz und Hirn aus? Ich habe nur davon gelesen, was alles schief läuft.

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    1. Ja, auch ich würde gerne wissen, wie genau ich erkenne, dass es mit der Bindung ein Trügschluss ist und mein Hund nur die Leckerchen möchte und vor allem, wie ich das ändern kann....

      Viele Grüße

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    2. Ich erstelle einen Text dazu - versprochen. Kann aber noch etwas dauern, weil ich das sehr gründlich machen möchte. :-D

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    3. Sehr guter Text!!
      Das Problem fängt ja damit an das nur noch Hundetrainer " produziert " werden die diese Methoden an den Mann bzw. Frau bringen da die zuständigen Behörden nur diese Form der Ausbildung anbieten.
      Die ganzen Prüfungen ( die alle Hundetrainer absolvieren mussten nach dem neuen Hundetrainer-Gesetzt) basieren auf diese Manipulation und Konditionierung.
      Auch ich musste mir diese Praktiken aneignen um diese Prüfung zu bestehen.
      Obwohl die theroretische Prüfung was direkt die Verhaltensbiologie angeht, fachlich echt klasse war.
      Und total im Widerspruch steht mit dem verlangten in der Praxis.
      Es müsste ganz oben angefangen werden und das wird leider nie passieren weil die so an ihren Theorien festhalten.
      Was vielleicht auch bei ( Schätzungsweise 70% ) der Hunde gut geht aber in meinen Augen trotzdem nicht der richtige Weg ist und von den anderen 30 % charakterstarken braucht man davon gar nicht reden.
      Die Bedürfnisse der Hunde sind einbisschen anderes als die der Menschen.
      Wir möchten ja auch wie Menschen behandelt werden deswegen sollten Hund auch wie Hunde behandelt werden und nicht wie kleine Menschen, damit tut man ihnen keinen Gefallen.
      Lg und Danke für den Artikel diese Diskusion sollte viel lauter und öfters geführt werden

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    4. Sehr guter Text dem kann ich nur beipflichten. Gruss, Ulli Wolff

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  4. Ich praktiziere dies schon viele Jahre so mit meinen Hunden, und seid dem läuft es wirklich sehr gut zwischen uns. Ich bin froh verstanden zu haben, was ein so hochsoziales Wesen wie der Hund wirklich braucht. Dummy und Fährte stehen bei uns ganz oben. Danke für den tollen Bericht. Ich hoffe das viele Hundebesitzer jetzt umdenken.

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  5. da muss ich noch einmal nachdenken.....das geschriebene leuchtet mir völlig ein, völlig

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  6. Super! Das kann ich so unterschreiben!

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  7. Jede Erziehung besteht aus liebevoller Konsequenz, Befriedigung der Bedürfnisse und Grenzen aber auch aus Belohnung . Nur Bonbon ist genauso schlecht wie nie zu belohnen . Die Dosis macht das Gift auch hier .
    Ich Übernehme Verantwortung, ohne mich gibt es keinen Spaß und meine Belohnung ist immer unterschiedlich. Mal ein Spiel , mal ein Lecker , mal ein Streicheln oder auch nur ein Prima.
    Aber nie ein Ablenken bei Problemen, nie ein Ignorieren.

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  8. Schwachsinn.... was für ein Schwachsinn...

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    1. Hallo Anonym, unter "Seiten" auf meinem Blog findest du den Artikel "Falsch verbunden", den ich nach dem Leckerchen-Artikel verfasst habe. Darin stecken Fakten und Erkenntnisse, die Dir den "Schwachsinn" vielleicht besser erklären. Danke für Dein Feedback

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    2. Ich finde es immer wieder faszinierend, das Leute ein einwandfreies Verhalten von ihrem Hund fordern und ihr eigenes so wenig im Griff haben!

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  9. kann dem beitrag nicht zu 100% zustimmen, habe meinen beiden viel über leckerlis beigebracht, später waren sie auch mit lob oder streicheln zufrieden

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  10. Der Artikel ist unfassbar schlecht recherchiert… Wenn man über positive Verstärkung schreibt, sollte man sich auch damit auseinandersetzen und sich fundiertes Wissen dazu aneignen.
    "Und der Hund bringt uns an unsere Grenzen. Ganz schnell. Dann muß man aufrüsten, attraktiver für den Hund werden, das XXL-Leckerchen oder die Superbelohnung hervorzaubern, damit er das verlangte Verhalten zeigt, der Abruf klappt oder eine andere Dressur"
    Das ist falsch. Wenn man immer bessere Leckerlis nehmen muss, wurde das Training falsch aufgebaut. Man beginnt in einer reizarmen Umgebung, und wenn man ein Verhalten dort zuverlässig aufgebaut hat, kann der Hund es auch in anderen Umgebungen zeigen, ohne dass man jemals bessere Belohnungen nehmen muss. Außerdem werden Belohnungen sehr schnell variiert. Mal gibt es ein lobendes Wort, mal "nur" ein Stück Trockenfutter, mal ein Stück Wurst, mal ein Spiel, etc. So bleibt es immer spannend für den Hund und er erwartet nicht EINE bestimmte Belohnung.
    "Demnach ist das Vorenthalten von Nahrung durchaus kritisch zu bewerten."
    Ja, das ist sehr kritisch zu bewerten. Deshalb bekommt mein Hund (wie quasi alle anderen Hunde, die mit positiver Bestärkung erzogen wurden) 80% seines Futters aus dem Napf, ohne dass er irgendwas dafür tun muss. An anderer Stelle im Artikel heißt es aber, dass die Grundbedürfnisse des Hundes befriedigt werden müssen. Richtig – und Hunde arbeiten natürlicherweise für ihr Futter und bekommen es nicht in den Napf gelegt. Daher ist es extrem artgerecht, den Hund für einen Teil seines Futters arbeiten zu lassen – das lastet aus und macht den Hunden enorm viel Spaß.
    -> Fortsetzung im nächsten Kommentar

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    1. Perfekt!!! Ich mache es genauso!!Gruss Dirk und Snoopy

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  11. "Nicht selten würden solche Hunde sich auch problemlos mit dem Leckerchen oder Spielzeug von ihren Menschen wegführen lassen - welche Qualität hat eine solche Bindung? Welche Rolle spielt für den Hund eigentlich SEIN Mensch?"
    Was soll denn die Qualität der Bindung damit zu tun haben, ob der Hund Leckerlis für gutes Verhalten bekommt oder nicht? Ich belohne meinen Hund, weil es ihm und mir Spaß macht. Eine Bindung habe ich zu meinem Hund, weil wir tolle Sachen miteinander machen, auf dem Sofa kuscheln, miteinander spielen, weil ich ihn schütze und für ihn da bin, etc. Die Leckerlis benutze ich, um ein bestimmtes Verhalten zu fördern und zu verstärken. Mein Hund bewegt sich auf dem Spaziergang niemals außer Sichtweite, auch nicht für eine Sekunde – wir haben wohl eine hervorragende Bindung, OBWOHL er Leckerlis für gutes Verhalten bekommt. :D
    "Hunde untereinander belohnen sich nicht mit Leckerchen"
    Richtig. Ein Hund verlangt auch nicht von einem anderen, dass er mit ihm an lockerer Leine von A nach B geht, 100% zuverlässig an einem bestimmten Platz sitzen bleibt oder den pöbelnden Artgenossen nicht anbellt. Meine Hunde korrigieren sich untereinander übrigens immer mal wieder körpersprachlich, und ob der andere Hund die Korrektur akzeptiert oder nicht, ist 50/50. Bei den von mir antrainierten Verhaltensweisen habe ich eine weitaus höhere Erfolgsrate.
    "Kein Hund würde ernst genommen werden von einem Artgenossen, wenn er inflationär mit Futter um sich schmeißen würde"
    Wer wirft denn inflationär mit Futter um sich? Liebe Autorin, bitte beschäftigen Sie sich doch mal mit positiver Bestärkung, bevor sie irgendwelche Dinge erfinden.

    Nochmal zusammengefasst: Auch Menschen, die mit Leckerlis belohnen, haben eine hervorragende Bindung zu ihrem Hund. Leckerlis gibt es meistens auf unseren Spaziergängen – die dauern so 2 Stunden pro Tag, aber ich lebe 24 Stunden mit den Tieren zusammen und interagiere permanent auf sozialer Ebene mit ihnen. Außerdem bedeutet positive Verstärkung nicht, dass ich ausschließlich mit Leckerlis belohne. Vielmehr bringe ich mich ständig sozial ein, lobe, freue mich, spiele mit dem Hund als Belohnung. Die Leckerlis sind EINE Möglichkeit von vielen und stellen eine Möglichkeit dar, seiner Freude und Anerkennung gegenüber dem Hund Ausdruck zu verleihen. Trotzdem befolgt mein Hund meine Signale nicht nur wegen der Leckerlis, sondern weil es ihm Spaß macht, mit mir zusammenzuarbeiten und weil er sich über meine Freude freut. Außerdem ist es keinesfalls optional für meine Hunde, meine Signale auszuführen. Da ich sie aber gut trainiert habe und es für sie immer toll ist zu kooperieren, kommen sie gar nicht erst auf die Idee, sie nicht auszuführen. Grenzen bekommen sie übrigens auch gesetzt – sogar recht viele. Meinetwegen kann jeder mit seinem Hund verfahren wie er will, aber wenn man über andere Trainingsmethoden schreibt, sollte man sich auch damit auseinandergesetzt haben und wissen, wovon man redet.

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    1. Super geschrieben, Jasmin! Genauso sehe ich das auch,hätte es abernicht so toll in Worte fassen können.

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    2. Kann ich nur zustimmen, Jasmin! Am dollsten finde ich den Satz "und nicht selten halten Hunde ihre Menschen zum Narren" - das höre ich immer wieder von Leuten, die nicht in der Lage sind, das Verhalten von Hunden sauber zu interpretieren.

      Es gibt übrigens einen Unterschied zwischen "inflationär mit Futter um sich schmeißen" und Konditionierung mit Futter oder anderen Triebmitteln, aber das hat die Autorin wahrscheinlich noch nicht realisiert.

      Was mich mittlerweile nicht weiter wundert, wenn ich in ihre übrigen Blogs reinschaue...

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    3. Super geschrieben. Da ist der Kommentar zum Artikel deutlich besser als der Artikel selbst. Danke, Jasmin.

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    4. Danke Jasmin für Deine ausführliche Kritik und die Zeit, die Du dir genommen hast, meinen Blogartikel so gründlich zu analysieren und Deine Meinung zu verfassen. Ich stimme Dir in vielen Punkten zu, denn es ist möglicherweise missverständlich. Um ganz klar zu sein: Ich gehe NICHT davon aus, daß Menschen, die Leckeren füttern KEINE Beziehung zu ihrem Hund haben. Mir geht es mehr um die Schwerpunkte im Umgang mit dem Hund. Meine Meinung ist, daß die SOZIALE Interaktion zwischen Mensch und Hund eine größere Gewichtung hat und nicht (alleine) über Futter geht. Daher der letzte Satz. Hunde sind so gerne mit ihren Menschen zusammen und ich würde mir wünschen, daß mehr Menschen das gemeinsam mit ihrem Hund genießen können. Wer das ohnehin schon tut - ist doch Super! Viele Grüße

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    5. Jegliche Form der Beschäftigung mit meinem Hund stellt auch gleichzeitig eine soziale Interaktion zwischen ihm und mir dar. Die entstehende positive Stimmung schlägt sich logischerweise auch auf die Beziehung nieder.
      Wie widersinnig ist es dann, genau diese Interaktion zu negieren?

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    6. Als Richtigstellung, Ergänzung, weiterführende Erklärung und Darstellung der Fakten habe ich in der Rubik "Seiten" den Artikel "Falsch verbunden" verfasst. Ich kann nicht auf jeden Kommentar einzeln eingehen. Danke für diese Diskussion - sie zeigt, wie sensibel dieses Thema ist und wie wichtig Aufklärung.

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    7. Herzlichen Dank Jasmin ;)

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  12. Hmm.. Ich denke, "die Dosis macht das Gift" - man muss sein Verhalten eben dem Hund anpassen. Ich halte nicht viel von "Schema F passt auf alles" - allerdings weder in die eine noch in die andere Richtung.

    Noch dazu denke ich, dass Hunde durchaus in der Lage sind, zu unterscheiden, dass wir eben einer anderen Spezies angehören. Das ganze "ein Hund würde nie Leckerlies verteilen, deswegen darf das der Mensch auch nicht" und "ein Rudelführer muss dieses tun und muss jenes dringend unterlassen" ist für mich deswegen lückenhaft. In der menschlichen Gesellschaft hat man als Hundehalter ja ganz andere Ansprüche an die Hunde als die Hunde untereinander. Und das wirklich hundliche Verhalten ist bei den meisten unerwünscht (nur mal die Aggression als Beispiel).

    Wieso die Beziehung zwischen mit Leckerlies arbeitenden Menschen und ihren Hunden jedoch schlechter sein soll, ergibt sich mir auch nicht richtig. Wenn ich meinem Hund sein Futter hinstelle, müsste er dann ja auch schon denken, dass ich "inflationär" damit rumwerfe - auch, wenn er warten muss..?! Oder wieso unterscheidet er zwischen "Napf hinstellen" und "mal einen Keks für gutes Verhalten bekommen"? Demnach muss er sich wohl doch den Hasen oder das Reh aus dem Wald holen, damit ich nicht nur der Futterspender bin..

    Wenn die Beziehung zwischen Mensch und Hund schlecht ist, hat das wohl andere - tiefer liegende - Ursachen.

    Man muss für seine Hunde und sich den richtigen Weg finden. Und oft findet man den eben in der "goldenen Mitte", in dem man vom gesamten(!) vorhandenen Repertoire die Werkzeuge nutzt, die einen als Team voranbringen.

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  13. Genauso sehe ich das auch. ��

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  14. Genau sooooo mache ich es auch. Du hast das super geschrieben Jasmin. Bin voll und ganz Deiner Meinung.

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  15. Schade, Das Wesen Hund in seiner Natur nicht verstanden!
    Ist aber nicht weiter verwunderlich, Verstehen sich doch die Menschen nicht mal untereinander. Sich aber anmaßen ein artfremdes Lebewesen zu verstehen!
    Wenn schon bewerten, dann bitte auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner - den Trieben!
    Millionen Menschen sehen sich täglich in ihrer Existenz bedroht, weil ihnen die wichtigsten Ressourcen fehlen: Wasser und Nahrungsmittel. Selbst der Mensch reduziert sich letztendlich auf seinen Selbsterhaltungstrieb.
    Warum sollte ausgerechnet ein Landraubtier und Beutegreifer wie der Hund als rein triebgesteuertes Wesen emotional denken?
    Vielleicht schaltet der Mensch mal sein Hirn ein und ruft sich die elementaren Naturgesetze zurück ins Bewusstsein!
    Bei aller Emotionalität gilt auch beim Menschen "das Gesetz des Stärkeren".
    Geben und Nehmen beruht auf einer einfachen Regel: "wenn man etwas möchte, was ein anderer hat, dann sollte man dem anderen eine adäquate Gegenleistung dafür geben", sonst geht man leer aus!

    So und jetzt setzt mal bitte die rosarote Brille ab und nehmt den Hund als das was er ist: ein Hund, ein Hund, ein Hund!!!

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    1. Hallo Dogs at Limit, ich muß Dir leider widersprechen. Zum Einen setzt sich mein Post nicht mit den "Trieben" des Hundes auseinander, sondern mit dem Thema Beziehungs- und Bindungsaufbau, wo die Instinkte des Hundes zwar in der Notwendigkeit, erfüllt zu werden, eine Rolle spielen, dies aber nicht im Bezug des "Selbsterhaltungstriebes", sondern in Bezug auf die Grundbedürfnisse. Mehr dazu findest Du hier im Blog auf der SEITE "Falsch verbunden". Die Triebtheorie wie sie einst Konrad Lorenz aufstellte, ist längst überholt. Ich verweise für weiterführende Informationen auf diesen Beitrag: http://klartexthund.blogspot.de/2011/08/das-marchen-vom-triebstau.html

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    2. Richtig - Grundbedürfnisse!
      Das sehe ich nicht anders. Allerdings basieren die Verhaltensmuster zum erfüllen der Grundbedürfnisse auf den Trieben. Deshalb täte der Mensch gut daran sich auf die Wurzeln des Hundes zurück zu besinnen, anstatt sich weiter in anthropomorphisierten und emotionalen Wunschdenken zu "baden". Denn hier fangen die Probleme des Hundes mit dem Menschen an - "falsch verbunden"!

      Nahrung steht bei den Grundbedürfnissen ganz oben!
      ...oder warum brechen Menschen ihre sozialen Kontakte ab und machen sich auf eine lebensgefährliche Reise. Sicher nicht weil sie eine neue Bindung oder Beziehung suchen. Sie wollen schlichtweg überleben!

      Bindung oder Beziehung halte ich nicht für die passenden Worte für die "Zweckgemeinschaft" zwischen zwei artfremden Lebewesen. "Gegenseitige positive Abhängigkeit" trifft es meiner Meinung nach besser.

      Mir ist nicht bewusst, dass ich irgendwo auf die Triebtheorie nach Konrad Lorenz verwiesen habe. Bei diesem Thema gehe ich weitgehend konform mit dem "Klartext" von Thomas Riepe.

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  16. zumal man nicht alle Rassen in einen Topf werfen sollte.

    Einen Hütehund mit Leckerchen zu bewerfen fände ich unangebracht aber einem Retriever den Tausch Beute gegen Leckerchen anzubieten sehe ich jetzt nicht als "nicht artgerechte Erpressung" oder als Vorenthalten sondern als teil der Interaktion mit dem Tier.
    Es gibt halt wie so oft immer mehrere Betrachtungswinkel.

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    1. Es geht nicht um "das Bewerfen des Hundes mit Leckerchen", sondern um die positive Bestärkung von gewünschtem Verhalten!
      Das ist völlig unabhängig von Rasse und Individualität und funktioniert bei allen Hunden! Entscheidend dafür ist einzig die Motivation und Appetenz des Lebewesens nach dem Erlangen einer Ressource und deren Verfügbarkeit.
      Dazu gibt es nur einen Betrachtungswinkel: Haben oder nicht haben!

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  17. Den Aussagen kann ich voll zustimmen!!! Seit etwa 30 Jahren kümmere ich mich insbesondere um eine Vielzahl sog. Problemhunde.
    Erfahrung: Leckerlies sind nichts anderes als Bestechung! Belohnung ist meine positive Ausstrahlung, die Art wie ich dem Hund Geborgenheit vermittle und ein für ihn angenehmes "Wohlfühlklima" schaffe.
    90% der Hundeschulen sind das Geld nicht wert, das Hundehalter dort abliefern!
    Mit einem "Problemhund" kann ich erst dann vernünftig umgehen, wenn ich durch jahre- oder jahrzehntelangen Umgang ein Gefühl dafür entwickelt habe, wie ich mich in welcher Situation bei dem individuellen Hund verhalten und wie ich meine "Lernhilfen" richtig einsetzen und dosieren muss. Die Individualität zu erkennen und richtig zu bewerten, das ist die eigentliche "Kunst" und hierbei versagen viele Hundetrainer kläglich!

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    1. Warum dann als ANONYM einen Kommentar abgeben, wenn doch anscheinend die Erfolgsquote so hoch ist?
      Was bitte sind Problemhunde? Doch wohl Hunde, mit denen der Mensch ein Problem hat und nicht umgekehrt. Die notwendige Individualität in der Vorgehensweise muss daher beim Menschen ansetzen. Der Hund ist meist innerhalb sehr kurzer Zeit zu einem adäquaten Alternativverhalten zu bewegen, sofern der Mensch sich sich in seiner Denk- und Handlungsweise verändert.

      Wer Futter zur Ablenkung, Bestechung oder zum Locken verwendet, hat die Natur des Hundes nicht verstanden.
      Richtig eingesetzt ist es der schnellste und nachhaltigste Ansatz in der Er- und Umerziehung, nicht nur des Hundes.
      Das entspricht den Naturgesetzen.
      Emotionalität ist Luxus für Lebewesen, die auf ihre Triebe reduziert sind, ob Mensch oder Hund.
      Beim Selbsterhaltungstrieb hört die Freundschaft auf. Es gilt: Friss oder stirb!

      Das ist der kleinste gemeinsame Nenner zwischen zwei artfremden Lebewesen, erst recht zwischen dem Raubtier Hund und der Bestie Mensch!!
      Warum flüchten Millionen von Menschen unter ständiger Lebensgefahr aus ihrer Heimat in der ihre emotionalen Wurzeln sind?
      Wasser und Lebensmittel als unabdingbare Ressourcen für's Überleben sind der Grund, die Motivation, der Antrieb und nicht irgendwelche Gefühlstuseleien!
      Was wird ein hungriger Hund wohl tun, wenn sein Mensch ihm nicht mehr gibt, was er zum Leben braucht? Er wird ihn verlassen, ohne zu ihm zurück zu schauen.

      Nochmal: Rosarote Brille abnehmen!

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    2. Die rosarote Brille habe ich bereits vor vielen Jahren abgenommen- daher auch mein statement, dass eine große Anzahl sog. "Fachleute" schlichtweg versagen und Hunde buchstäblich unter die Räder kommen, nicht etwa weil sie wirklich gefährlich sind, sondern weil sie falsch "therapiert" werden.
      Mit "Problemhunden" bezeichne ich Tiere, die auf Grund ihrer individuellen (oft genetisch veranlagten) Wesensmerkmale hohe Anforderungen an die Rahmenbedingungen stellen, unter denen sie gehalten werden. Die Anforderungen an geeignete Rahmenbedingungen kann man eigentlich in 3 Punkten festschreiben. 1. Der Hund muss, seinen individuellen Wesensmerkmalen nach sinnvoll ausgelastet sein ( Arbeitslinien......) 2. Der Hund darf nicht permanent überfordert werden (Stress: -ständig sein Territorium oder seien Bezugspersonen beschützen zu müssen, lange allein sein zu müssen, Ständig lärmende Kinder und vieles mehr) -übrigens das Problem "Stress" wird in der Regel unterschätzt!!
      3. Die Rangordnung muss stimmen, nicht weil ich das Tier bestrafen kann, oder ihn mit Leckerlies besteche, sondern weil der Hund mich freiwillig auf Grund meiner Persönlichkeit als ranghöher anerkennt!!
      All diese Punkte können auf keinem Hundeplatz korrigiert werden!
      Wir versorgen hier im Tierheim Neuburg seit vielen Jahren durchschnittlich 20 - 30 "Problemhunde" aus anderen bayrischen Tierheimen, die in aller Regel mehrere Hundeschulen -Trainer durchlaufen, mehrfach gebissen haben und teilweise bereits feste Termine zur Euthanasie hatten.
      Ich arbeite sehr wenig mit diesen Tieren,, versuche grundsätzlich Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen sie Selbstbewusstsein aufbauen und sich selbst entsprechend sozialisieren können!
      Dieses Schaffen geeigneter Rahmenbedingungen ist der eigentliche Schlüssel zu einem befriedigenden Zusammenleben und nicht das fast ausschließliche "herumdoktern" an den Tieren -aber davon leben ja die unendlich vielen Schulen, Trainer, Flüsterer, Therapeuten....
      Die Erfolgsquote ist bei uns tatsächlich sehr hoch, was aber nicht bedeutet, dass sich alle Hunde unter geänderten Rahmenbedingungen an neue Besitzer vermitteln lassen. Sollte jemand Interesse an unserem Therapieansatz haben: info@tierschutzverein-neuburg,de

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    3. Die Genetik ist zweitrangig. Ein Unterscheiden in Arbeitslinie und Showlinie ist Unfug! Ein "Border Collie" ist nicht weniger triebstark, nur weil er nicht aus einer Arbeitslinie kommt. Die Reiz- und Hemmschwelle ist rassebedingt sehr niedrig.
      Mit den Rahmenbedingungen gebe ich dir Recht, insofern Du damit die Einflüsse auf die Sozialisierung durch Züchter und Habituation durch Hundehalter meinst.
      Entscheidend für ein möglichst komplikationsloses Zusammenleben zwischen Mensch und Hund ist, dass der Hund in einem Umfeld lebt, für das er ausreichend geprägt wurde und der Mensch sich dessen bewusst ist.
      Das sehe ich als das eigentliche Problem!

      Zu 1.)
      Ein Hund muss nicht ausgelastet werden! Wer immer am Limit gehalten wird, geht schneller kaputt. Eine ausgewogene Beschäftigung, die die körperliche und geistige Fitness sicher stellt, ist völlig ausreichend.

      zu 2.)
      Richtig! Überforderung erzeugt ungelöste Konflikte >>> Stress >>> Unsicherheit >>> Angst >>> Aggression

      zu 3.)
      Ein Hund hat keine bewusste Selbstwahrnehmung. Ergo kann er auch einen Menschen nicht als "Persönlichkeit" wahrnehmen.
      Freiwilligkeit ist der Anspruch den ein Mensch in einer Mensch-Hund-Gemeinschaft verfolgen sollte.
      In dem Maße, wie der Mensch die Grundbedürfnisse seines Hundes erfüllt, entsteht bei diesem Vertrauen. Vertrauen ist die Basis für die Orientierung des Hundes am Menschen. Erst dadurch wird es dem Menschen überhaupt möglich den Hund gewaltfrei zu führen.

      Zum Kern des Themas zurück:
      Richtiges Anwenden von Futter (nicht Leckerlie) als positive Bestärkung, hat nichts mit Ablenken, Bestechen oder Locken zu tun!
      Leider wird dies in der "Hundefachwelt" viel zu wenig beachtet!

      P.S.:
      "Anonym" schreiben und die Erfolge anderer in Frage zu stellen, ohne jemals selber Einsicht in deren Arbeitsweise gehabt zu haben, ist wenig professionell.
      DEN "Problemhund" gibt es nicht!
      Die Probleme hat der Mensch!
      Nicht der Hund braucht ein individuelles Handling, sondern der Mensch. Korrigiert wird niemals der Hund, sondern der Mensch!
      "Erfahrung" besagt gar nichts. Man kann auch 30 Jahre alles falsch machen.

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  18. Dass eine vertrauensbasierte und tiefgehende Bindung zu seinem Hund nicht innerhalb einiger weniger Wochen zustande kommt und Arbeit und Achtsamkeit an sich selbst erfordert, ist vielleicht der simpelste Grund für so manchen Hundehalter/trainer sich gewisse 'Erziehungserfolge' schnell und effektiv mit Leckerchen zu erhaschen. Der Hund soll ja in unser Leben passen und 'funktionieren'. In gewisser Weise habe ich dafür auch Verständnis. Aber bitte, wenn man ehrlich ist und sich ein wenig in der Natur umschaut, muß einem doch klar sein, dass eine intensive Bindung zu einem Lebewesen durch gemeinsame Aktivität, gegenseitigem Vertrauen und Fürsorge entsteht. Und diese Bindung braucht keine Leckerchen.

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  19. Vielen Dank für diesen Artikel! Es beginnt ein Umdenken in der Hundewelt, die sich für mich persönlich gut anfühlt und meine bisherigen Erfahrungen bestätigt.
    @ DogsatLimit: vielleicht ist es ihre Art zu schrei(b)en, die es mir unmöglich macht ihnen zu glauben, daß sie souverän mit Hunden umgehen... In diesem Sinne: lasst uns an uns selbst anstatt an unseren Hunden arbeiten.

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  22. Für mehr Hintergrundinfos klickt gerne auf der Seitenleiste "Falsch verbunden". Danke für diese konstruktiven Kritiken, das ist Ansporn noch mehr Informationen zusammenzutragen und auszuwerten, um uns alle und die Hunde weiter zu bringen.

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  23. Hier zwei schöne Texte dazu:

    http://www.des-pudels-kern.com/der-keks-kooperation-oder-korruption/

    http://blog.leitwolf-training.de/positive-verstaerkung-der-verrat-an-der-natuerlichkeit-unserer-hund/


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