Montag, 10. April 2017

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Probleme? Die kriegen nur die anderen. Ich habe so viel Erfahrung im Umgang mit Hunden, mir passiert das nicht. Hunde aus dem Tierschutz, vor allem solche aus dem Ausland sind besonders ängstlich und anspruchsvoll? Nein, mein geretteter Hund wird so nicht sein. Auf geschönte Beschreibungen hereinfallen? So blöd muß man erstmal sein, ich weiß, worauf ich achten muß. Einen Welpen zu übernehmen, macht viel Arbeit und braucht Zeit und Geduld? Nein, mein Welpe wird sich ganz selbstverständlich in die Familie einfügen. Die Anzeige im Internet könnte ein Vermehrer und der Hund gar nicht in Deutschland geboren sein? Nein, das glaube ich nicht. Die Beschreibung war so echt, das kann gar nicht unseriös sein.

Fehler machen grundsätzlich nur die anderen. Probleme sind bei einem selbst nicht zu erwarten. Und wenn dann doch etwas schief geht, bekomme ich oft die Frage: "Warum hat mir das nur keiner vorher gesagt?!" - Ja, das weiß ich auch nicht...

Egal, ob es um das Thema Auslastung und notwendige Ruhephasen des Hundes geht oder die Absicherung des soeben aus scheinbar widrigen Umständen geretteten und so gar nicht dankbaren Straßenhundes. Die Irrtümer in den Köpfen der Hundehalter bringen mich immer wieder zum Staunen. Nicht nur, daß der frisch gebackene Hundehalter davon ausgeht, daß ihm grundsätzlich nichts passieren kann und wird, sondern auch bekannte Warnungen werden einfach in den Wind geschrieben. Als ob man unsterblich wäre. 

Ich frage mich, wie es dazu kommt, daß Hundehalter so überzeugt davon sind, ihnen würde nichts Außergewöhnliches widerfahren. Liegt es daran, daß im Zweifel und wenn es schief geht, sowieso "die Anderen" Schuld sind? Hundehalter tappen ohne Umwege von einem Fettnapf in den nächsten. Da werden gnadenlos bestimmte Hunde angeschafft und vehement beteuert, sie seien aus einer seriösen Zucht. Das Ergebnis sind innerhalb der folgenden 12 Monate (und länger) endlose Rechnungen von Tierärzten über Behandlungen von Durchfallerkrankungen, Ohrentzündungen, Allergien bis hin zu operativen Eingriffen für mehr Lebensqualität.
Kommen sie nicht vom "Züchter", werden sie aus dem Ausland hierher geschleust, manche mit einem LKW bis vor die Tür geliefert und auch hier ist der Hundehalter in Verteidigungsbereitschaft: Nein, diese Orga, die hat es wirklich drauf - die kennen ihr Geschäft. Die machen das schon Jahrelang und haben viele tolle Bewertungen im Internet. Das Ergebnis sind Hunde, die nicht einmal stubenrein sind, geschweige denn irgendwie in der Lage, sich in unserer Welt zurecht zu finden. Die Probleme, die daraus entstehen sind vielfältig wie die blumigen Beschreibungen ihrer Verursacher, nur folgenschwerer. Die Orgas sind in der Regel nach der Auslieferung nicht mehr zuständig und die Enttäuschung groß. So hat man sich das nicht vorgestellt - im Zweifel landet der Hund in einer Pflegestelle oder im Tierheim. Ein neues Tier wird geholt und nicht selten aus der nächsten zweifelhaften Vermittlung. Als ob man es nach dieser Erfahrung nicht besser wüsste.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet...ich kann nur appellieren: Checkt doch bitte alles ab, was irgendwie geht, bevor Ihr Euch für ein bestimmtes Tier entscheidet. Fragt Leute, die sich damit auskennen, die jahrelang Erfahrungen gesammelt haben, die Euch sagen können, wohin die Reise gehen kann und welche Alternativen es gibt. Hundehaltung kann echt toll sein und großen Spaß bringen - macht es Euch nicht von vornherein so schwer! Der Leidtragende am Ende ist immer der Hund - er hat keine Wahl!

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