Abwechslung im Hundealltag

Ich bin ein Freund von Flexibilität. Und da ich mit meinem Hund auch noch die eine oder andere Baustelle habe, lautet mein aktuelles Motto: Tue stets das Unerwartete und nicht das, was Dein Hund denkt. So bin ich täglich mehrfach mit anderen Dingen beschäftigt, weiß selber nie genau, was gerade dran ist und irritiere meinen Hund damit aufs Äußerste. Er schaut mich zunehmend fragender an, wenn ich am Tag zum zehnten Mal die Gummistiefel an- und gleich darauf wieder ausziehe oder mit Jacke und Schlüsselgeklimper hektisch mein Handy suche, mich kurz danach, als wäre nichts gewesen seufzend aufs Sofa fallen lasse, um ein Buch zu lesen. Fünf Minuten später erhebe ich mich und verlasse das Haus - ohne Jacke, Handy und vor allem ohne Hund aber MIT Schlüssel. Zum Glück lebe ich in einer Umwelt, in der diese neue Form der geistigen Auslastung meines Hundes mitgetragen wird, wobei ich mich frage, wer meinen Mitmenschen verraten hat, was ich gerade übe...

Heute war ich jedenfalls SPAZIEREN, etwas für uns ungewöhnliches, weil wir nur sehr selten spazierengehen. Für alle Tierfreunde, die jetzt aufschreien und sich fragen, wie in Gottes Namen ein Hund 6 Jahre alt werden kann, ohne täglich spazieren zu gehen: Ich achte strikt darauf, daß all seine Bedürfnisse erfüllt werden: Spazierengehen gehört nicht dazu, Bewegung hingegen schon und das findet auch statt. Aber zurück zu unserem heutigen Spaziergang. Der hätte an sich ja "normal" ablaufen können, da es für uns als Betätigung ungewöhnlich ist, bräuchte ich keine Besonderheiten. Dennoch kam es zu sehr viel Unerwartetem, netterweise unterstützt durch meine Mitmenschen / Hundehalter. So trafen wir auf der gesamten Strecke (25 Min., 2,8 km) fünf Hunde mit ihren Menschen. Und was soll ich sagen, wenn ich gewußt hätte, wie abwechslungsreich so ein Spaziergang sein kann...ich würde ihn glatt öfter machen - äh...nein!

Die erste Begegnung war ein freilaufender Pudel-irgendwas Mix. Eigentlich war der Weg breit genug. Wir hätten problemlos aneinander vorbeigehen können. Um das Ganze zu entspannen, Pudel-irgendwas-Mix fixierte und hatte offenbar die Checker-Funktion, ging ich in eine Feldeinfahrt und bat darum, den Hund zurückzurufen. Immerhin veranlasste das Herrchen in einem leicht behäbigen Trab zu fallen, um Pudel-irgendwas-Mix zu greifen...Natürlich gelang es nicht und es kam zu einem unerwünschten Kontakt nebst Unterbrechung meiner Übungseinheit "Mein Hund geht an lockerer Leine und kümmert sich NICHT um Außenreize".

Glücklicherweise ist mein Hund sozial kompetenter als mancher Hundehalter und klärte die Sache kurzerhand souverän. 1:0 für meinen Hund, 0:1 für mich - ich bewies damit Inkompetenz, denn die Idee war ja, daß er sich NICHT um Außenreize kümmern muß.

Die zweite Begegnung waren zwei freilaufende Hunde mit zwei Herrchen. Um nicht wieder einen unerwünschten Kontakt zu riskieren, blieb ich mit der leuchtend gelben Leine weithin sichtbar stehen und wartete ab, ob man so gnädig sei, seine Hunde heranzurufen. Der eine Herr griff seinen Labbi, fingerte am Halsband herum und drehte auf der Hacke um, um in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Ich schätze, diese Entscheidung beruhte auf dem nicht-Vorhandensein einer Leine. Der andere Herr knipste seine Flexi-Bömmel an seinen kleinen weißen Wuschel, vergaß aber die Leine einzufahren. Wuschel wollte sich großkotzig und lebensmüde zugleich vor die Pfoten meines Hundes werfen, doch diesmal bewies ich zumindest verbale Kompetenz und forderte Herrchen auf, seinen Hund heranzunehmen, weil ich keinen Kontakt wünschte.
Immerhin schaffte er es rechtzeitig die Leine einzuholen und Wuschel den Radius etwas zu begrenzen und wir konnten passieren.

Die dritte Begegnung war ein freilaufender Briard-Rüde mit seinem Weibchen...äh tschuldigung, Frauchen. Da der Weg hier schmaler war und rechts und links keine Möglichkeit bestand, auszuweichen, wartete ich auch hier in einiger Entfernung ab. Frauchen trabte auch los hinter ihrem Briard her, doch dieser fixierte, schlich sich an und war kurz davor durchzustarten. Das wollte ich nicht riskieren und drehte auf der Hacke um, ging langsam in die entgegengesetzte Richtung, um Frauchen die Chance zu geben, ihren offenbar nicht abrufbaren Hund anzuleinen. Dies gelang gottlob und wir konnten auch hier passieren, begleitet von einem auf zwei Beinen stehenden und böse kläffenden Briard.

Die letzte Begegnung war ein kleiner Rüde, der hinter dem Gartenzaun sein Grundstück bewachte und aus dem Nichts hinter der Hecke in ein tosendes Gebell verfiel und sich fürchterlich aufregte. Mein Hund hatte darauf nur eine Antwort und pinkelte ihm direkt vor die Nase.

Für mich steht fest: Das war genug Abwechslung und Unerwartetes für den Rest der Woche - spazieren gehe ich erst wieder im Regen mit Schirm zu allgemeinen Abwehr. Schade, daß es nicht möglich ist, sich wie ein normaler Mensch mit seinem Hund in der Umwelt zu bewegen, ohne jemanden zu belästigen oder selber belästigt zu werden.

Und ich frage mich wieder: Wie machen das nur Menschen, deren Hunde so gar nicht sozialverträglich sind? Ich für meinen Teil, weiß warum ich mir das nicht dreimal täglich antue.

Kommentare:

  1. Mich würde sehr interessieren, wie Sie Ihren Hund auslasten. Ich freue mich auf Ihre Antwort ��

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  2. Mich würde es auch sehr interessieren wie sie ihrem Hund genug Bewegung verschaffen. Ich kenne diese Art Spaziergänge nur zu gut und würde gerne mal Alternativen ausprobieren.

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  3. Ich habe das große Glück, mit meinem Hund auf Flächen und Strecken unterwegs sein zu können, auf denen ich nahezu garantiert keine Begegnungen habe. Spazieren gehe ich nicht mit ihm, stattdessen machen wir Abenteuer Ausflüge mit Ersatzjagd auf einen Futterdummy, um ihn seiner Art gemäß auszulasten.

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