Allergie mal anders

Dieser Hund ist anders. Dieser Hund ist keinesfalls so, wie ich mir das vorgestellt habe. Dieser Hund hat keinen „Will to please“ - dieser Hund trifft nur eigene Entscheidungen, hat keine Impulskontrolle, kann nicht warten, null Steadyness. Dieser Hund widerspricht allen Regeln des Hundetrainings. Wenn ihn eine Situation überfordert (was man vorher nie wissen kann), schießt seine Reiz- und Erregungslage von null auf hundert in einer Zehntelsekunde. Es gibt keine Abstufungen. Dieser Hund kennt nur ganz oder gar nicht. Kein Leckerchen dieser Welt, keine noch so spannende Ablenkung mag ihn aus dieser Reizlage herausholen. Er ist nicht mehr ansprechbar. Jahrelanges Training scheinen keine Verbesserung zu bewirken. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen er scheinbar grundlos ausrastet. Hat man sich für den einen Moment in Sicherheit gewähnt, macht die nächste Situation alles zunichte. Er steigt senkrecht in die Leine, schreit, zerrt und springt, daß einem die Schulter auszukugeln droht. Es reicht ein Schatten von links, eine schnelle Bewegung von rechts, ein Artgenosse von vorne oder ein Mensch, der um die Ecke kommt. Dazu unkontrollierbares Jagdverhalten und Verbellen von sich schnell bewegenden Motorrädern oder Rollerskatern.
Es gibt Tage, da ist es mehr und es gibt wenige Tage, da ist es weniger. Draußen gestaltet er sich manchmal wie eine Furie, aber auch im Haus kommt er nicht zur Ruhe. Unstet läuft er im Haus auf und ab, kontrolliert mich, lässt die Familie nicht aus den Augen. „Das ist so bei Aussies“ höre ich mit mildem Lächeln. Nein, so extrem kann das auch bei Aussies nicht sein. Alle Versuche ihn zu begrenzen, Kindergitter, Thundershirt, Holding werden von ihm mit Unwohlsein quittiert. Körperberührungen sind nicht angenehm, werden maximal geduldet. Unzählige Erziehungsversuche, Gespräche mit Hundetrainern und Kollegen haben keine Verbesserung gebracht. Tierheilpraktik, Kräuter, Pheromone, Futterzusätze und Bachblüten - nichts blieb unversucht. Manches half für eine kurze Zeit, dann waren die alten Probleme wieder da, manchmal noch schlimmer.

Nach einer schweren Infektion mit Coronaviren und massivem Bluterbrechen, mußte der Hund in einer Klinik behandelt werden. Wieder zuhause entwickelte sich zeitgleich ein Schlafproblem. Es begann mit ersten Nächten voller Unruhe, gezeichnet von Schmatzen, Sabbern, Hecheln und Fiepen. Ich vermutete einen erneuten Infekt, zumal der Hund begann, wie ein Wahnsinniger Gras zu fressen. Er hatte eine Magendiät bekommen nach der Infektion und nun kam das nächste Problem. Nach einer dieser unruhigen Nächte - eigentlich waren alle unruhig, der Unterschied lag lediglich in der Dauer der Hechel-Phasen - hatte ich berufsbedingt eine lange Autofahrt vor mir. Ab da war auch Autofahren ein großes Problem: Der Hund hechelte und speichelte so stark, daß ich bei den Pausen alles trockenwischen musste. Er kam nicht zur Ruhe und die Atemfrequenz war so hoch, daß ich mir Sorgen machte, ob das Herz es aushalten würde.

Es mußte etwas passieren, so konnte das nicht weitergehen. Ich konsultierte eine Tierärztin meines Vertrauens, besprach mit ihr die Problematik. Der Hund wurde auf Herz und Nieren gecheckt, Blutbilder, Röntgenaufnahmen und Ultraschall ergaben einen kerngesunden Hund.
 
Für die Autofahrten bekam ich ein Rezept für ein Mittel gegen Reisekrankheit. Doch schon die nächste Autofahrt war eine Katastrophe - trotz Mittel. Andere Medikamente wurden ausprobiert, es änderte sich gar nichts. Am Ende stieg der Hund nicht mehr ein und mied die Nähe des Autos. Ich konditionierte gegen nach allen Regeln der Trainingslehre - ohne Erfolg. Autofahren führte zu Zittern, Hecheln und Panikattacken bei dem Hund. Geräusche wurden ebenfalls zunehmend mehr zum Problem: Bei Gewitter und Silvester steigerte er sich in seiner Panik bis zum Zustand ähnlich der erlernten Hilflosigkeit. Ich erreichte ihn nicht mehr. Er fraß alles in sich hinein und ließ es beim kleinsten Anlass als Explosion wieder raus. Die Nächte waren katastrophal, er hechelte manchmal 2-3 Stunden lang, jede Nacht ab Punkt 4 Uhr. Für eine gewisse Zeit halfen ihm Magenschutztabletten, sie verkürzten allerdings nur die Länge des Hechelns, nicht die Tatsache, daß er jede Nacht um 4 Uhr aufwachte...Er mochte nicht gehalten werden, bei Berührungen versteifte sich seine Muskulatur und er hasste fremde Menschen, die ihn anfassen wollten umso mehr. Er war so gar nicht der Hund, den ich mir gewünscht hatte, das war aber nicht das
Schlimmste. Das Schlimmste war, daß ich ihm nicht helfen konnte.
 
Dann nahm ich mir noch einmal alles vor, machte genaue Aufzeichnungen, wann was war,
überlegte die Entwicklungen der einzelnen Auffälligkeiten, besprach mich nochmals mit Kollegen und Trainern und machte mir viele Gedanken. Für eine Vortrag mußte ich mich näher mit dem Thema Futtermittelallergie und Rassedisposition beschäftigen. Keines der üblichen Kennzeichen traf auf meinen Hund zu. Er hatte keine Fellprobleme, keinen Juckreiz. Er nieste nicht und kaute sich auch die Pfoten nicht auf. Viele seiner Rassekollegen werden in der Tierarztpraxis vorstellig, aber selten wegen Fellproblemen oder offensichtlichen Futtermittelallergien, sondern fast immer wegen Hyperaktivität oder überzogenem unverhältnismäßigem Verhalten. Wie kann es sein, daß so viele Hunde Juckreiz haben und eine Futtermittelallergie und andere bestimmte Rassen nicht?
Sind diese Rassen Futtermittelallergie-resistent? Oder äußert sich die Allergie bei diesen Hunden nur anders? Mein Interesse war geweckt: Und tatsächlich - es gibt bestimmte Allergieformen und Unverträglichkeiten, die sich nicht körperlich äußern, sondern in Verhaltensproblemen.
 
Ich analysierte mit kriminalistischer Genauigkeit die bisherige Ernährung meines Hundes,
berechnete die Zusatzstoffe, erstellte einen Futterplan und unterstützte seinen Stoffwechsel mit Naturheilkunde. Ich stellte langsam die Ration um, probierte verschiedenes aus und stellte schon nach einer Woche unglaubliche Veränderungen fest: Seit einem Jahr schläft mein Hund jede Nacht durch, hat eine nie gekannte Impulskontrolle, seine Muskulatur ist weich und entspannt, er genießt Berührungen, liebt Kontaktliegen, ist ansprechbar in jede Situation und hat sogar Silvester super überstanden. Gewitterdonner ist kein Problem mehr, er schläft einfach weiter und beim Autofahren liegt er ruhig mit abgelegtem Kopf.
 
Umgang und Erziehung, Training und Konditionierung, Hilfsmittel, Medikamente und
Naturheilkunde, das sind nur einige Bausteine, um das Verhalten des Hundes zu beeinflussen.
Ohne vernünftige Ernährung und die Analyse, ob bestimmte Unverträglichkeiten bestehen, kann in manchen Fällen keine langfristige Veränderung herbeigeführt werden. Nur die gesamt-ganzheitliche Vorgehensweise unter Berücksichtigung aller Komponenten kann dauerhaft und grundlegend helfen.
Dieser Hund ist anders. Dieser Hund ist keinesfalls so, wie ich mir das vorgestellt habe. Dieser Hund hat keinen „Will to please“ - dieser Hund trifft nur eigene Entscheidungen, hat keine Impulskontrolle, kann nicht warten, null Steadyness. Dieser Hund widerspricht allen Regeln des Hundetrainings. Wenn ihn eine Situation überfordert (was man vorher nie wissen kann), schießt seine Reiz- und Erregungslage von null auf hundert in einer Zehntelsekunde. Es gibt keine Abstufungen. Dieser Hund kennt nur ganz oder gar nicht. Kein Leckerchen dieser Welt, keine noch so spannende Ablenkung mag ihn aus dieser Reizlage herausholen. Er ist nicht mehr ansprechbar. Jahrelanges Training scheinen keine Verbesserung zu bewirken. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen er scheinbar grundlos ausrastet. Hat man sich für den einen Moment in Sicherheit gewähnt, macht die nächste Situation alles zunichte. Er steigt senkrecht in die Leine, schreit, zerrt und springt, daß einem die Schulter auszukugeln droht. Es reicht ein Schatten von links, eine schnelle Bewegung von rechts, ein Artgenosse von vorne oder ein Mensch, der um die Ecke kommt. Dazu unkontrollierbares Jagdverhalten und Verbellen von sich schnell bewegenden Motorrädern oder Rollerskatern.
Es gibt Tage, da ist es mehr und es gibt wenige Tage, da ist es weniger. Draußen gestaltet er sich manchmal wie eine Furie, aber auch im Haus kommt er nicht zur Ruhe. Unstet läuft er im Haus auf und ab, kontrolliert mich, lässt die Familie nicht aus den Augen. „Das ist so bei Aussies“ höre ich mit mildem Lächeln. Nein, so extrem kann das auch bei Aussies nicht sein. Alle Versuche ihn zu begrenzen, Kindergitter, Thundershirt, Holding werden von ihm mit Unwohlsein quittiert. Körperberührungen sind nicht angenehm, werden maximal geduldet. Unzählige Erziehungsversuche, Gespräche mit Hundetrainern und Kollegen haben keine Verbesserung gebracht. Tierheilpraktik, Kräuter, Pheromone, Futterzusätze und Bachblüten - nichts blieb unversucht. Manches half für eine kurze Zeit, dann waren die alten Probleme wieder da, manchmal noch schlimmer.

Nach einer schweren Infektion mit Coronaviren und massivem Bluterbrechen, mußte der Hund in einer Klinik behandelt werden. Wieder zuhause entwickelte sich zeitgleich ein Schlafproblem. Es begann mit ersten Nächten voller Unruhe, gezeichnet von Schmatzen, Sabbern, Hecheln und Fiepen. Ich vermutete einen erneuten Infekt, zumal der Hund begann, wie ein Wahnsinniger Gras zu fressen. Er hatte eine Magendiät bekommen nach der Infektion und nun kam das nächste Problem. Nach einer dieser unruhigen Nächte - eigentlich waren alle unruhig, der Unterschied lag lediglich in der Dauer der Hechel-Phasen - hatte ich berufsbedingt eine lange Autofahrt vor mir. Ab da war auch Autofahren ein großes Problem: Der Hund hechelte und speichelte so stark, daß ich bei den Pausen alles trockenwischen musste. Er kam nicht zur Ruhe und die Atemfrequenz war so hoch, daß ich mir Sorgen machte, ob das Herz es aushalten würde.

Es mußte etwas passieren, so konnte das nicht weitergehen. Ich konsultierte eine Tierärztin meines Vertrauens, besprach mit ihr die Problematik. Der Hund wurde auf Herz und Nieren gecheckt, Blutbilder, Röntgenaufnahmen und Ultraschall ergaben einen kerngesunden Hund.
 
Für die Autofahrten bekam ich ein Rezept für ein Mittel gegen Reisekrankheit. Doch schon die nächste Autofahrt war eine Katastrophe - trotz Mittel. Andere Medikamente wurden ausprobiert, es änderte sich gar nichts. Am Ende stieg der Hund nicht mehr ein und mied die Nähe des Autos. Ich konditionierte gegen nach allen Regeln der Trainingslehre - ohne Erfolg. Autofahren führte zu Zittern, Hecheln und Panikattacken bei dem Hund. Geräusche wurden ebenfalls zunehmend mehr zum Problem: Bei Gewitter und Silvester steigerte er sich in seiner Panik bis zum Zustand ähnlich der erlernten Hilflosigkeit. Ich erreichte ihn nicht mehr. Er fraß alles in sich hinein und ließ es beim kleinsten Anlass als Explosion wieder raus. Die Nächte waren katastrophal, er hechelte manchmal 2-3 Stunden lang, jede Nacht ab Punkt 4 Uhr. Für eine gewisse Zeit halfen ihm Magenschutztabletten, sie verkürzten allerdings nur die Länge des Hechelns, nicht die Tatsache, daß er jede Nacht um 4 Uhr aufwachte...Er mochte nicht gehalten werden, bei Berührungen versteifte sich seine Muskulatur und er hasste fremde Menschen, die ihn anfassen wollten umso mehr. Er war so gar nicht der Hund, den ich mir gewünscht hatte, das war aber nicht das
Schlimmste. Das Schlimmste war, daß ich ihm nicht helfen konnte.
 
Dann nahm ich mir noch einmal alles vor, machte genaue Aufzeichnungen, wann was war,
überlegte die Entwicklungen der einzelnen Auffälligkeiten, besprach mich nochmals mit Kollegen und Trainern und machte mir viele Gedanken. Für eine Vortrag mußte ich mich näher mit dem Thema Futtermittelallergie und Rassedisposition beschäftigen. Keines der üblichen Kennzeichen traf auf meinen Hund zu. Er hatte keine Fellprobleme, keinen Juckreiz. Er nieste nicht und kaute sich auch die Pfoten nicht auf. Viele seiner Rassekollegen werden in der Tierarztpraxis vorstellig, aber selten wegen Fellproblemen oder offensichtlichen Futtermittelallergien, sondern fast immer wegen Hyperaktivität oder überzogenem unverhältnismäßigem Verhalten. Wie kann es sein, daß so viele Hunde Juckreiz haben und eine Futtermittelallergie und andere bestimmte Rassen nicht?
Sind diese Rassen Futtermittelallergie-resistent? Oder äußert sich die Allergie bei diesen Hunden nur anders? Mein Interesse war geweckt: Und tatsächlich - es gibt bestimmte Allergieformen und Unverträglichkeiten, die sich nicht körperlich äußern, sondern in Verhaltensproblemen.
 
Ich analysierte mit kriminalistischer Genauigkeit die bisherige Ernährung meines Hundes,
berechnete die Zusatzstoffe, erstellte einen Futterplan und unterstützte seinen Stoffwechsel mit Naturheilkunde. Ich stellte langsam die Ration um, probierte verschiedenes aus und stellte schon nach einer Woche unglaubliche Veränderungen fest: Seit einem Jahr schläft mein Hund jede Nacht durch, hat eine nie gekannte Impulskontrolle, seine Muskulatur ist weich und entspannt, er genießt Berührungen, liebt Kontaktliegen, ist ansprechbar in jede Situation und hat sogar Silvester super überstanden. Gewitterdonner ist kein Problem mehr, er schläft einfach weiter und beim Autofahren liegt er ruhig mit abgelegtem Kopf.
 
Umgang und Erziehung, Training und Konditionierung, Hilfsmittel, Medikamente und
Naturheilkunde, das sind nur einige Bausteine, um das Verhalten des Hundes zu beeinflussen.
Ohne vernünftige Ernährung und die Analyse, ob bestimmte Unverträglichkeiten bestehen, kann in manchen Fällen keine langfristige Veränderung herbeigeführt werden. Nur die gesamt-ganzheitliche Vorgehensweise unter Berücksichtigung aller Komponenten kann dauerhaft und grundlegend helfen.

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