Angsthunde

Wer von uns kennt das nicht? Das Gefühl Angst? Jeder erinnert sich an Situationen, in denen dieses Gefühl hochkroch, einen die Angst "beschlich" oder sie war schlagartig da - begleitet von einer Hitzewallung, dem "Angstschweiß", Herzrasen und wirren Gedanken. Planlosigkeit, innere Zerrissenheit zwischen die Flucht ergreifen wollen und der Unfähigkeit, die Beine schnell bewegen zu können. Angst ist ein schreckliches Gefühl. Alleine im Wald in der Dunkelheit, sind alle Sinne geschärft. Jedes Geräusch dringt wie ein Vorschlaghammer ins Gehirn. Verzweifelt versuchen die Augen eine Bewegung wahrzunehmen, zu enthüllen, woher die Geräusche kommen. Alle Reaktionen des Körpers laufen automatisch ab, nichts ist mehr steuerbar, selbst die Gedanken überschlagen sich. Horror und Verzweiflung machen sich breit und übernehmen machtvoll die Steuerung. Stresshormone fluten die Adern, die Muskeln sind bereit zum Kampf, alles ist aufs Äußerste gespannt, der Magen krampft...

und jetzt ein Stück Kuchen? Oder ein Spiel?

Immer wieder hört man für verzweifelte Hundebesitzer den Tipp, man solle den Hund bei bestimmtem Problem- oder Angstverhalten aus der Hand füttern, um eine Beziehung aufzubauen. Dies wird z.B. bei Hunden geraten, die aufgrund schlechter Erfahrungen Angst vor Menschen haben, die z.B. aus dem Ausland kommen oder aus dem Tierschutz. Die vorherrschende Meinung ist, man könne dem Hund seine Unsicherheiten nehmen, bestimmte Situationen "schönfüttern", also gegenkonditionieren oder gar Vertrauen zu Menschen aufbauen. Man soll den Hund aus der Hand füttern, um eine stärkere Bindung zu erhalten und den Hund an unangenehme Gegenstände oder Situationen zu gewöhnen. 

Dabei würde kein Mensch auf die Idee kommen, in solch einer Situation etwas zu essen oder ein Spiel zu beginnen. Hunde spielen nur im "sicheren Umfeld" und jeder Hundebesitzer weiß: Selbst das leckerste Leckerchen wird nicht genommen, wenn der Hund Angst hat.

Allen Säugetieren geht es so. Die Angst ist vordergründig, der Körper schaltet alle Funktionen auf Überleben durch Kampf oder Flucht, da haben Essen und Spiel keinen Platz. Was könnte stattdessen eine Hilfe sein?

Die größte Unterstützung hätte man, wenn man nicht alleine wäre. Ein Freund, Partner an seiner Seite würde sofort ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, selbst wenn dieser genauso die Hosen voll hätte. Aber man wäre nicht alleine. Das würde die Situation direkt entspannen. Wenn man dann diesem Begleiter auch noch vertraut, er Sicherheit ausstrahlt, weil er vielleicht Lebenserfahrungen hat, dann könnte man sich an ihm orientieren und die eigene Angst überwinden.

 Je intensiver der Kontakt mit dieser Person ist, umso eher wären wir bereit, uns ihm anzuschließen. Eine sichere Bindung, die auf Vertrauen, gemeinsamen Interessen und Zielen beruht ist die Grundlage dafür, sich mit der Angst auseinanderzusetzen. In einer Geschäftsbeziehung, bei der ein Partner für Leistung vom anderen bezahlt wird, ist Vertrauen nicht die Basis der Beziehung, sondern Leistung und Gegenleistung. Eine solche Beziehung ist keine Grundlage für eine erfolgreiche Angstbewältigung. Mit einem Lebenspartner an der Seite würde man sich sicherer fühlen als mit dem Bäcker von nebenan.

Um Angstprobleme beim Hund zu lösen, ist die Voraussetzung 365 Tage im Jahr die Grundlage dafür zu schaffen: Eine sichere Bindung aufzubauen und nicht täglich eine Geschäftsbeziehung zu unterhalten, um in der extremen Angstsituation zu scheitern, weil der Hund kein Vertrauen hat. Vertrauen entsteht durch Fürsorge für den Hund, Vorsorge, Vorbildverhalten und gemeinsame Interessen.
 Eine sichere Bindung kann man nicht dressieren oder antrainieren, geschweige denn durch Erpressung erhalten oder anfüttern. Eine sichere Bindung kann man nur geschenkt bekommen.

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