Aufreiten - "Der will nur spielen!"


Das Aufreiten ist in der Regel dem Paarungsverhalten zuzuordnen. Es kommt allerdings auch außerhalb der Fortpflanzung vor und zwar sowohl bei Welpen als auch bei erwachsenen Tieren beiderlei Geschlechts mit gleich- und gegengeschlechtlichen oder sogar artfremden Individuen, auch gegenüber dem Menschen oder Gegenständen wie z.B. Kissen oder Plüschtieren. Bei Welpen kann dieses Verhalten im Umgang mit gleich - und gegengeschlechtlichen Artgenossen als präsexuelles Verhalten interpretiert werden, ist Bestandteil des Reifungsprozesses und steht im Zusammenhang mit der sexuellen Prägephase. Desweiteren ordnet man das Aufreiten auch dem Rangordnungsverhalten zu bzw. kann es dem Stressabbau in Konfliktsituationen dienen. (Hundeverhalten - Das Lexikon Andrea Weidt, RORO-Press Verlag AG, Dietlikon)

"(Quer)-Aufreiten
Der Angreifer legt seine Vorderbeine quer von der Seite oder schräg von hinten auf den Rücken des Gegners, droht oder richtet durch Vorstoßen des Kopfes unter deutlicher Beißhemmung Bisse gegen dessen Nacken. Quer-Aufreiten kommt in relativ harmlosen Beiß- und Drohsituationen vor und kann sowohl vom ranghöheren als auch vom rangniedrigeren Tier gezeigt werden." (Feddersen-Petersen in Ausdrucksverhalten beim Hund)

Aufregung, Stress, Angst, aufmerksamkeits-heischendes Verhalten aber auch ein emotionaler Konflikt können die Auslöser für Aufreit-Verhalten sein. (Marc Bekoff)

«Aufreiten kann Teil einer Folge von Verhaltensweisen sein, die mit Aggression, einem hohen Status, Ressourcenverteidigung, direktem Fixieren und Bedrohen sowie sich über einen anderen stellen in Zusammenhang stehen. Aber das Aufreiten selbst, weist nicht auf etwas Statusbezogenes hin." (Peter Borchelt / Hecht, J. "Humping: Why do they do it?" The Bark, June-August 2012: 70, 56-60.)

Andere Meinungen sagen, daß das Aufreiten bei miteinander nicht bekannten Hunden, also Hunden, die nicht miteinander in einem Sozialverband leben, eher eine Dominanzgeste ist, die meistens von unsicheren oder sexuell frustrierten unkastrierten Rüden gezeigt wird. Dieser Rüde versucht sowohl bei potenten oder kastrierten Hündinnen aufzureiten, als auch bei (meist kastrierten) Rüden. Es gibt die Behauptung, diese würden durch den Wegfall des Testosterons durch die Kastration, nach läufiger Hündin riechen. Ich persönlich glaube das eher nicht, denn dann würden ja auch Hündinnen anders auf Kastraten reagieren, wenn sie sie für gleichgeschlechtliche Konkurrenz halten würden...aber das ist vielleicht ein anderer Irrtum...

Beobachtungen zeigen jedoch, daß das Aufreiten von (meist potenten) Rüden auf Hündinnen oder (kastrierten) Rüden in der Regel der Beginn einer lautstarken Auseinandersetzung ist. Die Hündin lässt sich meistens eine derartige Übergriffigkeit nicht gefallen, da sie nicht läufig ist und kein Interesse daran hat, von einem frustrierten oder größenwahnsinnigen Jungspund dominiert zu werden. Kastraten sind ebenfalls wenig erfreut über eine entsprechende Bewegungseinschränkung und Dominanzverhalten und verteidigen ihre Individualdistanz entsprechend.

Die Chancen stehen also gut, entweder einen Hund zu haben, der selber gerne aufreitet oder aber der eigene Hund ist derjenige, der bedrängt wird. Man kommt also mit großer Wahrscheinlichkeit in die Situation, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen. Ist es der eigene Hund, der aus Übermut, sexueller Frustration oder Größenwahn aufreitet, ist es gut möglich, daß er irgendwann an einen Artgenossen gerät, der nicht lange fackelt und kurz und bündig sehr klar stellt, daß er für derartige Übergriffe absolut kein Verständnis hat. Ist es der eigene Hund, der bedrängt wird, ist die Gefahr groß, daß er die Lernerfahrung macht, wie er seine Individualdistanz am Erfolgreichsten verteidigen kann. Dies kann - je nach Penetranz des anderen - auch durchaus in einer bösen Beißerei enden. So kann aus einem ehemals sozial sehr verträglichen Hund ratz-fatz einer werden, der sich zukünftig mit Maulkorb- und Leinenzwang versehen, wiederfindet. Und das nur, weil er seine Individualdistanz verteidigt hat.

Es wäre schön, wenn Hundebesitzer das Verhalten ihres Vierbeiners sorgfältiger beobachten und schneller reagieren würden, um andere Menschen und Hunde nicht zu belästigen. Denn das Unterschreiten der Individualdistanz mit Bewegungseinschränkung ist nicht "nur" soziale Kommunikation, sondern eine Belästigung. Soziale Kommunikation wäre es, wenn es da stattfinden würde, wo man es als Ethologe erforscht hat: In einem Sozialverband miteinaner zusammenlebender Caniden, aber nicht auf der Hundewiese (oder wo auch immer) mit Individuen, die sich dort zum ersten Mal begegnen.










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