Das Leben ist (k)ein Pony- äh Hundehof




Hunde begleiten den Menschen seit Urzeiten. Er ist das erste domestizierte Haustier. Seine Anwesenheit brachte den Menschen schon immer Vorteile, sei es auf der Jagd als Kumpane, der auf seinen vier Pfoten blitzgeschwindt das Wild aufstöberte und verfolgte oder als selbstbewußter Bewacher von Hab und Gut. Selten wurden Hunde früher nur für die Gesellschaft des Menschen oder als Spielgefährte der Kinder gehalten. Dies blieb lange Zeit  der wohlhabenden Bevölkerung vorbehalten, da alle anderen nichts übrig hatten, was sie mit dem Hund hätten teilen können. Der Adel hatte Schoßhündchen, aus denen sich teilweise auch unsere heutigen hündischen Begleiter entwickelt haben. Diese zeichnen sich durch ein hübsches äußeres Erscheinungsbild mit langem weichem Fell und besonderen Zeichnungen aus und haben in der Regel einen freundlichen Charakter. Es gibt in der Aufteilung der Hunderassen nach FCI-Gruppen sogar eine eigene Kategorie für Gesellschafts- und Begleithunde. In den anderen neun Gruppen der Hunderassen wird vorzugsweise nach (früherem) Arbeitseinsatz der jeweiligen Spezialisten unterschieden. So finden sich "Hüte- und Treibhunde", genauso wie Apportier- und Stöberhunde oder "Dachshunde".
Bei allen Hunden, egal welcher Rasse, sind die ursprünglichen Verhaltensweisen noch in unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden. Es sind HUNDE. Sie sind (mehr oder weniger) Jäger und Beutegreifer, haben ein territoriales Sicherheitsbedürfnis und wollen sich (eigentlich) fortpflanzen. Alle Hunde sind hochsozial, brauchen Partner an ihrer Seite und fühlen sich in Gruppen unter ihresgleichen am Wohlsten, ziehen allerdings die Gesellschaft des Menschen (so die Wissenschaft) vor. Dieses Erbe ist allen Hunden eigen und auch das Streben danach, diese Bedürfnisse zu befriedigen, kann jeder Hundehalter an seinem eigenen Hund erkennen.
 Viele Hundefreunde sind ausgesprochen bemüht, ihrem Vierbeiner ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Die Gesellschaft jedoch hat damit so ihre liebe Not. Fortwährende Konflikte, sei es Beißunfälle, Hundekot oder entlaufene Hunde, die zur Gefahr im Straßenverkehr oder für die Wildtiere werden, sind an der Tagesordnung und fordern stets neue Gesetzte. Hundehalter heute stehen immens unter Druck. Einerseits dem Hund gerecht werden, andererseits: Wohin mit ihm?
 Um die Bedürfnisse des Hundes v.a. nach Sozialkontakt zu ermöglichen, gibt es  "Treffpunkte", Hundewiesen, Auslaufflächen oder Plätze, an denen sich Hundehalter verabreden, treffen und ihre Hunde toben lassen können. Hier kann der Hund Hund sein, seinen Bedürfnissen nachgehen, ohne Gefahr zu laufen, mit einem Gesetz oder Gebot in Konflikt zu geraten.
 Doch was genau passiert eigentlich bei Hundebegegnungen? "Na, die spielen doch so schön" - oder? Was ist Spiel? Und wo und mit wem findet es statt?
 Mit der Verhaltensweise "Spiel" haben sich namhafte Kynologen (Hundewissenschaftler) intensiv beschäftigt. So gibt es im Ausdrucksverhalten klare körperliche Verhaltensweisen und Gesichtsausdrücke, die "Spiel" definieren. Dazu gehören übertriebene Körperbewegungen, ein weit aufgerissenes, weiches (= eines, das nicht zupackt) Maul, das sogenannte Spielgesicht (weiche, glatte Stirnhaut, nach hinten gezogen, locker hängende Ohren), Rollentausch (einer wird gejagt, der andere verfolgt), um nur Beispiele zu bringen.
 Nun kann man an einer beliebigen Gassirunde häufig Begegnungen von Hunden beobachten. Hundehalter machen die Leinen los und es folgt bei unbekannten Hunden eine Begrüßung des Artgenossen. Diese ist mal mehr oder weniger von Anspannung gekennzeichnet. Es kann sein, daß man ohne Notiz vom anderen zu nehmen, einfach seines Weges geht. Manchmal umkreist man sich steifbeinig, kontrolliert den Genitalbereich des Gegenübers, wendet sich ab und markiert mit Blick auf den anderen. Einige Hunde sind sich sympathischer und einer von beiden macht eine "Spiel"-Aufforderung mit typischer Vorderkörpertiefstellung (Vorderbeine liegen fast auf dem Boden, sind breit auseinandergestellt und das Hinterteil bleibt erhoben). Darauf folgt in der Regel ein Jagd"spiel" und manchmal erfolgt dann kein Rollentausch, weil sich andere Zaungäste ungefragt einmischen und der kleine Windhund plötzlich zum Mobbingopfer wird.
 Ab und zu kann man auch Hunde beobachten, die in sich vertieft, minutenlang hingebungsvoll miteinander beschäftigt sind und nahezu alle Umwelt um sich herum zu vergessen scheinen. Sie jagen einander, wirbeln herum, tauschen die Rollen, schmeißen sich in den Sand, springen und fliegen übereinander, daß es nur eine Freude ist, ihnen zuzuschauen. Am Ende (und das kommt meistens tatsächlich schon nach weniger als zehn Minuten), bleiben beide erschöpft nebeneinander liegen, die Zunge bis zum Boden, aber ein Grinsen im Gesicht.
 Fragt man bei den Besitzern nach, erfährt man: Die Hunde kennen sich schon länger, treffen sich regelmäßig, sind meistens gegengeschlechtlich oder männlich-kastriert oder sie sind ausgesprochen jung.
 Als Mensch kann man sich daran erfreuen, für den Hund ist es tatsächlich auch ein sinnvoller, notwendiger Sozialkontakt - wenn er ihn denn genießen kann.

Habe ich einen Hund, der Probleme mit Artgenossen hat, hat das einen Grund. In der Regel sind (vielleicht unbekannte) Vorerfahrungen oder eine schlechte Sozialisierung die Ursache für Artgenossenunverträglichkeit. Es kann aber auch sein, daß mein Hund aufgrund seiner Persönlichkeit oder Rasse eher ein Einzelgängerdasein bevorzugt. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: So sind ältere Hündinnen in den meisten Fällen sehr ernsthaft, für diese bedeutet "Spiel" eine unnötige Energieverschwendung und wird, wenn überhaupt nur mit bekannten Rüden durchgeführt, um zu sehen, wie "fit" diese sind (und damit für potentiellen Nachwuchs interessant). Erwachsene potente Rüden sind so gut wie immer nur an Hündinnen interessiert, kastrierte männliche Hunde werden häufig bestiegen, was eindeutig in diesem Alter NICHT dem Spiel zuzuordnen ist. (Dies sind nur Beispiele)
 Wenn zwei Hunde miteinander "spielen", dann dient das dazu, den anderen und seine Fitness kennenzulernen und von mir aus auch, um miteinander Spaß zu haben. Dennoch wird im "Spiel" auch geklärt, wie das Gegenüber kommuniziert, ob es mich (Hund) versteht und auch eine soziale Struktur gebildet (wer bestimmt die Regeln). Dieses "Spiel" wird meistens von miteinander bekannten und bestenfalls sogar befreundeten Hunden durchgeführt. Sie sind gegenseitig BEKANNT und BELIEBT. Dieses "Spiel" ist zum Vorteil beider Hunde und sollte gefördert werden, in dem die Hundebesitzer den Hunden Raum und Zeit dafür zur Verfügung stellen. Ob man einen Hund, der selten Spielverhalten zeigt, dessen Persönlichkeit keine Kontakte "wünscht", bei dessen Vorerfahrungen Artgenossenkontakte negativ geprägt sind, in Hundebegegnungen auf Auslaufflächen etc. "zwingen" muß, sollte jeder Hundehalter für sich und seinen Hund kritisch überdenken. Manchmal ist weniger mehr im Sinne des Hundes.

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