Der Hund ist ein Lauftier


"Der Hund ist ein Lauftier" heißt es, "er hat ein großes Bewegungsbedürfnis", "er braucht Freiheit" (und muß lernen damit umzugehen..., aber das ist einen eigenen Post wert.) Ach so - der Hund ist ein Lauftier, na...was ist denn ein "Lauftier"? Mr.Google kennt auch hier die Antwort, allerdings findet sich keine wissenschaftliche Definition. Sollte es gar keine geben? Nun, Helpster z.B. meint: "Lauftiere sind Tiere, die aus verschiedenen Gründen schnell oder viel laufen müssen. Dazu benötigen sie einen speziellen Körperbau mit besonderen Merkmalen, die sie befähigen, entweder sehr weite Strecken ausdauernd zu rennen oder auf kurzen Distanzen so richtig zu sprinten."
Also - Laufen: Ja - schnell ODER viel, ausdauernd oder Sprint.
Dies ist auch schon so ziemlich das einzige Merkmal, das sich in den Definitionen findet. Und dieses trifft gleichermaßen auf viele andere Tiere zu, wie z.B. Pferde. Wenn man sich die Bedürfnisse von Pferden z.B. genauer anschaut, dann sind diese in Bezug auf die Bewegung tatsächlich physiologisch nachvollziehbar: Ein Pferd bewegt sich natürlicherweise 18-20 Stunden am Tag auf einer Strecke von mehr als 30 km in freier Steppe. Pferde MÜSSEN sich bewegen, sonst sind Verdauungs- und Hufprobleme die Folge. Sie haben kein festgelegtes Territorium, wechseln oft das Gebiet, um neues Futter oder Wasser zu finden.
Caniden leben natürlicherweise in einem sehr wohl festgelegten Territorium, an dessen Grenzen sie patrouilleren und markieren. Sie ruhen bis zu 20 Stunden am Tag (im Liegen!) und bewegen sich nur aus gutem Grund, um Energien zu sparen. Sie haben geschützte Schlafplätze, manchmal in Erdkuhlen oder gar Höhlen, in denen sie auch ihre Jungen aufziehen.

Also trifft die Definition "Lauftier" beim Pferd zu, da das Pferd "sehr weite Strecken ausdauernd" zurücklegt und "auf kurzen Distanzen" sprintet, z.B. auf der Flucht.
Caniden "rennen sehr weite Strecken ausdauernd" nur, wenn sie keine andere Wahl haben, also z.B. aus dem bestehenden Rudel abwandern. "Auf kurzen Distanzen so richtig" sprinten tun Hunde, wenn sie auf der Jagd sind. Tatsächlich legen sie auch auf dem Weg in ihr Jagdgebiet, welches INNERHALB ihres Territoriums liegt, einige Kilometer zurück, aber dies tun sie nicht täglich und schon gar nicht mehrfach täglich, sondern immer dann, wenn sie der Hunger dazu treibt. Und sie haben ein Ziel, wenn sie laufen. Niemals würde ein Canide laufen, um zu laufen.

Das Pferd ist also das wirkliche Lauftier und der Hund ist und bleibt ein sozialer Beutegreifer mit territorialer Orientierung.

Und die Haltung beider Tierarten in domestizierter Form? Nun, mit dem Hund gehen Menschen spazieren, meistens sogar im immer selben Gebiet (= Territorium aus der Sicht des Hundes), machen die Leine ab für die grenzenlose Freiheit, die ein Hund in seinem Rudel niemals hätte und tun so, als hätte das, was der Hund tut, keine Bedeutung. Menschen schaffen es oft nicht, ihren Hunden einen sicheren Platz z.B. in Form einer Hundebox anzubieten, weil sie meinen, sie würden ihn "einsperren".
Pferde stattdessen, die eigentlichen Lauftiere, haben NIE Freilauf. Immer ist ein Zügel, ein Strick oder ein Zaun da, um Grenzen zu setzen. Pferde sperren wir in Boxen oder kleine Ausläufe. Selten nur, können Pferde im Sozialkontakt mit Artgenossen in einer festen Herde unter freiem Himmel auf einer großen Fläche grasen und wandern. Das ist der Grund, weshalb ich mit meinem Hund jagen und mit meinem Pferd spazierengehe...



Kommentare:

  1. Auch das Pferd ist kein Lauftier, sondern ein Pflanzenfresser. Deswegen muss das Pferd viel in Bewegung sein. Also auch hier nicht mit als Ziel Bewegung, sondern Nahrungserwerb oder Sicherheit.

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  2. Du hast recht! Trotzdem gut geschrieben um den "Hundehalter" zum Nachdenken anzuregen ��

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