Distanz schafft (immer) Nähe?


















Es gibt ein Buch, daß sich mit Gruppensoziologie beschäftigt. Nicht nur von Säugetieren wie Mensch, Pferd oder Hund, sondern auch mit Gruppenbildungen von z.B. Vögeln und Fischen. Da findet man interessante Informationen. z.B.: Allen sozial lebenden Tierarten gemeinsam ist: Wer sich in der Mitte befindet, hat die größtmöglichen Chancen zu überleben. In der Mitte ist die Sicherheit am Größten. Jungtiere werden von den Älteren eingekreist, man richtet das Hinterteil zum Jungtier und die Front nach Außen, um verteidigen zu können. Die Jungtiere bleiben in der größten Sicherheitszone: Innen. Wer außen ist, steht sozusagen Auge in Auge mit der Gefahr. Außen ist der Bereich der Verteidigung und damit der Platz derer, die für Sicherheit zuständig sind. So ist das, mindestens bei den sozial obligat zusammenlebenden Tieren. Innen ist sicher, außen ist gefährlich. Man kann auch die jeweiligen Aufgaben der Individuen an ihrer Position in Gefahrensituationen erkennen: Wer verteidigt wen?
Die Peripherie ist der Bereich, in dem geopfert wird. Ja, das klingt dramatisch. Ist auch so: Kommt ein neuer Artgenosse und bittet um Aufnahme in die Gruppe, kommt er von außen - aus der Peripherie. Natürlich wird er nicht mit Kußhand in Empfang genommen. Er wird verjagt - in die Peripherie. Dort ist die Sicherheit am wenigsten gewährleistet. Durch wen auch? In der Peripherie ist die Gefahr, gefressen zu werden, am Größten. Dies gilt nicht nur für die klassischen Beutetiere wie z.B. Gazellen oder Rehe, sondern gleichermaßen für die Beutegreifer wie z.B. Wölfe oder Löwen. In der Peripherie könnte der "Neue" gefressen werden..."macht nichts - dann trifft es wenigstens keinen von uns!" Derjenige, der sich in der Peripherie befindet, dem ist dies bewusst. Daher wird sein Bestreben immer sein, in die Mitte zu kommen. Zumindest in die Richtung - weg von der Peripherie. In der Pferdeszene nennt man das "Join-up" und dies ist eine "alte" Erkenntnis der Cowboys. Es wird Zeit, dieses Wissen auf andere Tierarten, v.a. den Hund zu übertragen. Das Bestreben, nicht außen, sondern Bestandteil einer sozialen Gruppe zu sein, ist ein existenzielles bei obligat sozial lebenden Tieren. Sie spüren instinktiv die Gefahr (oder Verantwortung), die eine Position außen mit sich bringt und haben daher die Tendenz, nach innen zu kommen (oder das "innen" nach außen zu verteidigen). In einer Zweierbeziehung sieht das so aus, daß der Hund versucht, bei seinem Menschen zu sein, oder aber, er versucht, den Menschen, wenn dieser "innen" ist, nach außen zu verteidigen. Dann hat der Hund die Aufgabe, für Sicherheit zu sorgen für sich adaptiert...
Wird die Idee des Menschen z.B. mit dem Longieren auch vom Hund geteilt? Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht...

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