Ein Plädoyer für den Futterbeutel

April 2013, Dr.Dorit Urd Feddersen-Petersen: "Jan, ja der Jan, der weiß schon unglaublich viel. Aber das mit dem Futterbeutel...damit kann ich mich nicht anfreunden..."
Es ging um meine Prüfung...die Zertifizierung zur Hundetrainerin und Verhaltensberaterin nach den Richtlinien der Tierärztekammer Schleswig-Holstein.
Es ging aber auch um den Futterbeutel und all seine Vorzüge...

Reh oder Dummy?

Was antwortet man nur darauf...wenn die bekannteste und berühmteste Kynologin Deutschlands ihre Zweifel äußert. Über etwas, das mir so viel geholfen hat...über den Futterdummy. Flucht nach vorne:
Ich erzählte ihr, was ich morgens mit Jomo erlebt hatte: Auf dem morgendlichen Gassigang sorgten mehrere Rehe auf dem Maisfeld nebenan für Aufsehen. Jomo stand vor in bester Jagdhundemanier. Ich warf den Dummy ins Gebüsch in Richtung der Rehe, die sich ihrerseits langsam aber beständig von uns entfernten. 
Jomo konnte die Wahl machen: Reh oder Dummy (mit seinem kompletten Essen darin!). Hätte ich eine Hand voll Frolic ins Gebüsch geworfen, hätte er erst die Frolic gefressen und wäre dann doch hinter den Rehen hinterher. Bei dem Dummy war das anders. Den kann man nicht im Vorbeigehen aufessen, denn der Reissverschluß macht die Mitarbeit des Menschen notwendig. Er hatte die Wahl: Dummy apportieren und essen oder den Rehen hinterhergehen und im Zweifel (hoffentlich) NICHT essen. Der Dummy mußte aber apportiert werden, damit schafft es der Hund: 1. eine eigene bewußte Entscheidung zu treffen (Impulskontrolle ist Denken) und den Impuls zu jagen, selber zu kontrollieren und 2. seinen Focus auf etwas anderes zu lenken, als das lebende Wild. Dies gelingt nur, wenn es eine adäquate Alternative ist - ein oder zwei Frolic sind es sicher nicht.
Jomo hat sich einmal mehr für den Dummy entschieden. Danach wird selbstverständlich eine angemessene Alternativ-Jagd mit dem Dummy veranstaltet, um seinem Bedürfnis zu hetzen und zu jagen, Rechnung zu tragen. Er ist ein sozialer Beutegreifer mit ausgeprägten Bedürfnissen nach jagdlicher Beschäftigung. Gelingt es, ihm dies zu bieten (natürlich nicht am lebenden Wild!), wird das Wild weniger wichtig, als der Dummy. Seine Bedürfnisse werden ernstgenommen und gestillt - selbstverständlich unter Kontrolle!

Dr.Dorit Feddersen-Petersen hörte interessiert zu und reflektierte nachdenklich: "Das stimmt....das stimmt, ja, das stimmt!"

Kommentare:

  1. Ist es nicht Schade, daß eine so einflussreiche Kynologin, sagt: Sie kann sich mit etwas nicht anfreunden, womit sie sich offensichtlich gar nicht beschäftigt hat? denn nur so ist zu erklären, dass sie nach Deiner "kurzen" Einführung ans Nachdenken kam. Schade für die Hundewelt...denn dort hat D.F.P ja großen Einfluss..

    AntwortenLöschen
  2. Ich würde das gerne breit teilen. Ich bin auch ND`lerin und würde mir auch wünschen, dass für den Futterbeutel mehr Akzeptanz bei den Menschen wäre.
    Manchesmal wird der FB ja genommen, aber dann zum Leckerlibeutel umfunktioniert. Ich denke, dass die Menschen dann auch direkt die Frolic werfen könnten.

    AntwortenLöschen

Danke für Dein Interesse. Hinterlasse gerne einen Kommentar: