Leserbriefe


Leserbrief zu: http://rudelstellungen-klargestellt.de/?p=1875

Es ist nahezu unerträglich, welch große Anzahl von Irrtümern, Fehlinterpretationen, Unverständnis und Unwissenheit in der Hundeszene fest etabliert sind. Das betrifft nicht nur die “Rudelstellungen”, sondern auch z.B. das Negieren von Territorialverhalten bei Hunden durch namhafte Kynologen. Begriffe wie Dressur, Konditionierungen, Erziehung, Training etc. werden wild durcheinander geworfen, der Hundebesitzer zunehmend verunsichert. Neue Methoden bekommen klanghafte Namen und implizieren dem Besitzer, man würde nun nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeiten, obwohl es sich um nichts Anderes handelt als Konditionierung. Viele Bereiche des (Haus-)hundlichen Verhaltens sind – bei allem Respekt Frau Dr. Feddersen-Petersen – nicht hinreichend erforscht und Vergleiche mit wölfischem Verhalten (gerade im Bereich der territorialen Sicherheit) nicht vergleichbar. Solange es nicht gelingt, umfassende wissenschaftliche Studien über Haushunde anzufertigen – was unmöglich ist – ist und bleibt die Hundewelt eine flache Scheibe.
Susanne Last


Leserbrief zum Artikel „Methodenvielfalt“ von Sabine Winkler – Sitz-Platz-Fuß Nr. 10
Mit Spannung erwartet – mit Ernüchterung gelesen
Da beginnt der Artikel vielversprechend schon mit dem zweiten Wort „Hundeerziehung(smarkt)“ und läßt die Hoffnung keimen, hier hätte sich die Autorin tatsächlich um Aufklärung und differenzierte Darstellung der unterschiedlichsten Umgangsformen mit dem Hund bemüht. Doch schon nach dem fettgedruckten Intro folgt die ernüchternde Erkenntnis: Keine Spur mehr von Differenzierung. Es folgt ein wüstes Durcheinander der Begriffe „Erziehung“, „Training“, „Ausbildung“, „Gehorsamkeit“, allein der Begriff der „Dressur“ fehlt komplett, obwohl das Nachfolgende am Besten damit zu beschreiben wäre.
Als Otto-Normal-Familienhundbesitzer möchte ich aber nichts wissen über „Methoden“ meinem Hund etwas beizubringen. Nicht „Rolle“ oder „Gib mir fünf“, noch „Plaaaaatz!“ oder „Auuuus!!“
Ich möchte erfahren, warum mein Hund was tut, wie ich ihn erziehen kann, eine Bindung aufbauen, wie ich ihn unterstützen kann, damit er sich in unserer menschlichen Welt zurechtfinden kann, ohne jemanden dabei zu belästigen. Kurzum, wie ich aus ihm einen gesellschaftsfähigen, unauffälligen Begleiter machen kann und gleichzeitig seine Bedürfnisse berücksichtigen.
Ich lebe fast 24 Stunden mit meinem Hund zusammen, wie ist diese Zeit mit ihm und für uns beide (auch für den Hund!) sinnvoll zu gestalten, wo sind SEINE Bedürfnisse und in welcher „Methode“ wird dies berücksichtigt?
Aber da liegt auch schon das eigentlich Problem: Die Wortwahl hätte es ahnen lassen müssen. Es geht um Methoden (Methode = …mehr oder weniger planmäßiges Verfahren zur Erreichung eines Zieles…“ Wikipedia). Also geht es um „Trainingsformen“, „Methoden“, dem Hund etwas anzutrainieren, was er ohne „Training“ vermutlich nie tun würde?
Es geht also nicht um Erziehung und Beziehung?
Weiterhin hat mich Ihre Darstellung aversiver Ausbildungsmethoden stark irritiert. Als gäbe es nur die beiden Möglichkeiten der Belohnung oder Bestrafung…
Abgesehen davon, daß der aktuelle Stand der Wissenschaft (Max-Planck-Institut) längst „die alten Ansätze von Behaviorismus“ aus dem Köpfen bekommen möchte und das „Hunde-Training“ ausschließlich über Konditionierungen als dem Hund nicht gerecht werdend darstellt (s. Dr. Kaminski: „Nur Hunde verstehen den Menschen!“), kann es nicht sein, daß in Zeiten fliegender Blechnäpfe aversive Reize aus dem Bereich der klassischen Konditionierung von der Autorin verharmlosend und/oder den Profis vorbehaltend dargestellt werden: „Werden solche Mittel (aversive Reize) nicht übermäßig stark oder oft und fachlich richtig eingesetzt (zum Beispiel im richtigen Moment, in angemessener Stärke und so weiter), bereiten sie dem Hund zwar eine Zeit lang Unbehagen, bis er das Gewünschte gelernt hat, aber der Lernprozess geht relativ zügig. Unter diesen Umständen kann man dies als zumutbar ansehen.“ (SitzPlatzFuß 10 Artikel Methodenvielfalt Seite 27)
Ernüchternd und enttäuschend. Schade!
Mit freundlichen Grüßen




Leserbrief zu "Todsünde Vermenschlichung?" WUFF November 2014

Der unverstandene Hund - Enthundlichung statt Vermenschlichung
Sehr viele Artikel in der 10.Ausgabe von WUFF beinhalten Erklärungen, wie Hunde „ticken“, wie sie die Welt wahrnehmen, verstehen und welche Möglichkeiten der Mensch hat, sich verständlich zu machen, Einfluß auf den Hund zu nehmen. Nicht wenige dieser Tipps basieren auf Ergebnissen aus der aktuellen Forschung und Wissenschaft. Es werden z.B. Verhaltensweisen erklärt, neu bewertet und z.B. zu Imitation durch den Menschen angeregt (wie z.B. das Schmatzen bei ängstlichen Hunden im Artikel „Bellen, heulen oder knurren“). Natürliches Verhalten wird aus den alten Sümpfen des Triebverhaltens geholt und dem eigentlichen Instinktverhalten zugeordnet, aber auch differenziert betrachtet, in wie fern der Hund es benutzt, um Einfluß auf den Besitzer zu bekommen (forderndes Bellen z.B.).
Im weiteren Verlauf widmet sich Dr. Kontanze Jablonowski dem interessanten Thema der Vermenschlichung des Hundes. Auch sie bezieht sich auf die aktuellen Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungen und klärt auf, daß auch Hunde an fast identischer Position im Gehirn über ein Sprachzentrum verfügen, an der akustische Reize mit Emotionen verknüpft werden. Die Gehirnfunktionen entsprechen in vielerlei Hinsicht denen des Menschen, auch Hunde können denken und fühlen, sowie Empathie empfinden und altruistisch handeln. Die Autorin vergleicht den Status des Hundes innerhalb seiner menschlichen Familie mit dem eines Kindes oder Partners und appelliert an die Verantwortung des Menschen, die Bedürfnisse des Hundes zu erfüllen, sie ernst zu nehmen.
Die Forschung schreitet mit großen Schritten voran und bietet den Hundehaltern eine breite Basis neuer Erkenntnisse für den Umgang und die Haltung von Hunden in Familien. Den Hund als „Kumpan“ innerhalb der Familie zu sehen, ihn in die soziale Gemeinschaft zu integrieren, ihn wie ein Kind (oder Partner) zu sehen, könnte die gesamte Einstellung zur Hundehaltung beeinflussen...wenn man ihn denn als das sehen würde, was er ist.
Der Hund könnte das in der neuen sozialen Gruppe (die er sich ja nicht ausgesucht hat!) finden, was er erwarten würde: Soziale Integration und Anerkennung, Stabilität, Sicherheit und die Erfüllung seiner Bedürfnisse als sozial lebender Beutegreifer mit territorialer Orientierung. Was er aber in der Regel findet, sind Menschen, die seine Bedürfnisse nicht kennen, aber ihre eigenen sehr wohl und auch versuchen, diese auf Kosten des Hundes zu befriedigen. Verhalten wird auf- oder abtrainiert, es wird dressiert und nicht zusammen gelebt. Man ist gemeinsam einsam, weil man sich nicht versteht. So würde man mit Kindern oder Partnern nicht umgehen und auch nicht gerne zusammen leben wollen. Vielmehr würde man Kinder nicht dressieren, sondern ihnen eine Erziehung geben, die sie in ihren Talenten fördert und ihr Selbstwertgefühl steigert.
Vielleicht sollten wir den Hund viel mehr vermenschlichen als ihn ständig mehr zu enthundlichen.

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