Risiko Hund

Einer neuen Studie der Universität Holm (Schleswig-Holstein) zufolge leiden zunehmend mehr Hundehalter unter stereotypen Verhaltensweisen.
Über annähernd zwei Tage hinweg hatten Forscher der Universität Holm das Verhalten von mehr als 60 erwachsenen Hundehaltern in Anwesenheit ihrer Vierbeiner beobachtet und heraus kam folgendes: Die Wahrscheinlichkeit im Laufe der Zeit intensiven Zusammenlebens mit dem Hund und zunehmend häufiger durchgeführter Spaziergänge mindestens eine Stereotypie zu entwickeln, ist viermal höher als bei Menschen ohne Hund oder solchen, die nur ohne Hund spazieren gehen — ein hohes Risiko vergleichbar mit  dem Suchtverhalten.
Die Forscher unterteilten die an der Studie Teilnehmenden in drei verschiedene Gruppen: Probanden mit Hund, Probanden ohne Hund, und schließlich solche, die zwar einen Hund besitzen, aber nicht mit diesem spazierengehen. Es zeigte sich, dass das Risiko mindestens eine Stereotypie zu entwickeln bei spazieren gehenden Hundehaltern rund 74% höher war, als bei den Teilnehmenden, die keinen Hund besitzen oder mit diesem nicht spazieren gehen. Sogar bei Spaziergängen im Sonnenschein war die Wahrscheinlichkeit eine Stereotypie zu entwickeln noch immer dreimal höher als ohne Hund.
Die Studie, die Anfang März 2014 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Hier bin ich Hundemensch - hier darf ich sein!" veröffentlicht wurde, besagt weiterhin, dass Bewegung mit Hund an der frischen Luft — wie z.B. Spazierengehen, nicht nur das Risiko zu stolpern dramatisch erhöht, sondern, dass eine solche Aktivität generell die Wahrscheinlichkeit erhöht, mindestens eine Verhaltensauffälligkeit zu entwickeln. So zeigten Menschen mit Hund in 76,9 % der untersuchten Fälle die immer gleichen Armbewegungen: Aus der Schulter heraus schwenkt der gesamte Ober- und Unterarm in einem Bogen nach hinten, um dann plötzlich und impulsiv nach vorne zu schnellen. Gleichzeitig wird auch die Hand ruckartig nach vorne geführt. Anschließend folgt eine kurze Entspannungsphase und diese Bewegung wird erneut ausgeführt. In fast allen Fällen (99,8%) unterbrachen die Menschen jede andere Bewegung, insbesondere das Gehen, um diese Armbewegung stereotyp mehrfach hintereinander durchzuführen. Der Arm wird in der Regel nicht gewechselt, in den meisten Fällen (83 %) war es der rechte Arm, was gleichzeitig auf eine Minderfunktion der linken Gehirnhälfte schließen lässt.
Bei 21 % der Hundehalter wurde gleichförmige Vokalisation festgestellt: In kurzen rhythmischen Frequenzen erschallen hier die immer gleichen Worte, meistens handelt es sich um Namen-ähnliche Laute, in wenigen Fällen auch um das Wort "Hier". Immer aber wurden die Laute mehrfach wiederholt, allerdings in allen Fällen mit einer dramatischen Veränderung der Tonlage. Auch dieses Verhalten ist als stereotyp zu bewerten. In einigen Fällen schien der mitgeführte Hund einen Einfluß auf die Länge der Verhaltensauffälligkeit zu haben, denn oft konnte der Hund durch bloße Anwesenheit dieses Verhalten stoppen, vermutlich handelte es sich dabei um die seltene Spezies des Therapiehundes.
In 2,1% der Fälle konnte eine eher unauffällige Handbewegung festgestellt werden: Immer wieder griffen die Hundehalter rhythmisch gleichmäßig in die Jackentasche. Die Probanden waren sich dieser Handlung offenbar durchaus bewußt, denn alle versuchten, diese Aktivität möglichst unauffällig durchzuführen. Möglicherweise handelt es sich hierbei mehr um einen Tick, als um eine krankhafte Verhaltensauffälligkeit, dies müssen weitere Studien zeigen.
Die Vergleichsgruppe der Nichthundehalter bzw. der Hundehalter, die ohne Hund spazieren gingen, zeigte in keinem einzigen Fall diese oder andere auffällige Stereotypien, wonach davon ausgegangen werden muss, daß die bloße Anwesenheit des Hundes dies krankhafte Verhalten auslösen kann. Ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor Hund.

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