Rollkur - nicht nur für Pferde


Seit im Jahr 1992 der Begriff "Rollkur" in der Sportreiterei Einzug fand, gibt es  Untersuchungen, Meinungen und Diskussionen zuhauf. Als Rollkur (Hyperflexion) bezeichnet man in der Reiterei ein mit den Zügeln bis auf die Brust herabgezogenen Kopf. Dadurch ergibt sich eine starke Biegung und Dehnung des Halses nach unten. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten in der Vergangenheit aufzeigen, daß eine länger andauernde oder häufiger "falsch" durchgeführte Hyperflexion der Halswirbelsäule Schäden zufügen kann. So sind Arthrosen in der Halswirbelsäule bei Pferden keine Seltenheit.
Bei Hunden allerdings auch nicht. Obwohl Hunde normalerweise nicht in einer vergleichbaren Haltung wie die Pferde laufen - sie werden ja auch nicht geritten...Aber - sie werden an der Leine geführt. Und offenbar gibt es auch eine Rollkur für Hunde. So konnte ich gestern einen weißen Schäferhundmix dabei beobachten, wie er - genötigt von freilaufenden Hunden - einen Sozialkontakt an der Flexibömmel über sich ergehen lassen musste. Seine zuerst gewählte Strategie der Konfliktbewältigung war, sich flach auf den Boden zu legen und möglichst mit dem Untergrund bis zur Unsichtbarkeit zu verschmelzen. Dies hätte sicher gefunzt, würde jahreszeitengemäß Schnee liegen. Tut's aber nicht, also entdeckten ihn die beiden Labbis als weißen Fleck auf der grasgrünen Wiese und donnerten respektlos in ihn hinein. Ihm blieb nichts Anderes übrig, als gleichermaßen mit Bewegung zu reagieren, und so versuchte er in einem Sprint aus der Situation zu entfliehen. Möglicherweise hatten die Labbis ihm vorher auch bereits per Blickkontakt signalisiert, dass diese Wiese ihnen gehört und er wollte höflicherweise das Feld räumen. Auf jeden Fall gab er Stoff und nutzte die gesamte Flexibömmel-Leinen-Länge aus...Es gab dieses typische sssssstt-Geräusch und ein abruptes Ende: Klack! Im Schnitt haben Flexileinen eine Länge von 8 m. Was passiert, wenn geschätzte 25 kg Hund mit vollem Speed in eine 8 m Leine knallen, kann man sich vorstellen, und ich war mir plötzlich auch gar nicht mehr sicher, ob das "Klack" von der Flexibömmel kam. Die Besitzerin flog fast auf die Nase, konnte den Stopp nicht abfedern und sorgte ihrerseits dafür, daß auch sie in Kürze mit einer Arthrose im Schultergelenk einen Chiropraktiker aufsuchen muß. Der Hund machte eine halbe Rolle rückwärts, landete aber wieder auf den Beinen und schüttelte sich erstmal...(Beschwichtigung?, Übersprungshandlung?, Juckreiz?). Die beiden Labbis zeigten wenig Verständnis für seinen unverschuldeten Fluchtabbruch und verliehen ihrer Forderung nach Anerkennung ihres Besitzanspruches Ausdruck. Der weiße Schäfermix sprintete also erneut los, die vollen 8 Meter ausnutzend und knallte wieder ins Halsband. Diesmal brachte ihn die Wucht zu Fall und er kam seitlich zum Liegen. Zum Glück hatten die beiden Labbis inzwischen gemerkt, daß ihre Besitzer die Wiese verlassen hatten und folgten ihnen nach. Mit der Flexibömmel und der entsprechenden Handhabung kann man also auch bei Hunden eine Rollkur durchführen: Rolle in der Flexibömmel, Rolle rückwärts, Rolle am Boden und auf sicher Arthrosen in der Halswirbelsäule.
https://www.youtube.com/watch?v=_O_bguLJD9w

1 Kommentar:

  1. Autsch! Die Vorstellung, wie Hunde an ihrer Kommunikation durch den Menschen gehindert werden, tut schon weh aber diese beschriebene Situation geht auch mir durch Mark und Bein! Toll geschrieben!

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