Rötkäppchen und der süße Hund




- "Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!"
- "Dass ich dich besser hören kann."
- "Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!"
- "Dass ich dich besser sehen kann."
- "Ei, Großmutter, was hast du für große Hände"
- "Dass ich dich besser packen kann."
- "Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!"
- "Dass ich dich besser fressen kann."

Jeder kennt diesen Dialog zwischen Rotkäppchen und dem "bösen" Wolf in Grimms gleichnamigen Märchen. Daß Rotkäppchen als Kind des Waldes den Wolf nicht von seiner Großmutter unterscheiden kann und sich nur durch Äußerlichkeiten in die Irre führen lässt, ist in vielen Mensch-Hund-Beziehungen ähnlich.

Immer wieder begegnen mir Menschen mit ihren Hunden, bei denen die Vorstellungen von dem, was sie sich da ins Haus geholt haben, so sehr entfernt ist, von dem, was dieser Hund zu leisten vermag. Jedwede wissenschaftlich gepriesene Anpassungsfähigkeit des Hundes straft sich selber Lügen, wenn z.B. aus dem hochterritorialen Herdenschutzhund, der eine Ernsthaftigkeit an die Tag legt, die nur von unserer Kanzlerin überboten werden kann, ein Meerschweinchen im Hausflur werden soll.

Nun denn, wozu also hat der Dackel so kurze Beine? Nicht dafür, daß er seinen Menschen zum Hochheben auf das Sofa braucht, sondern damit er in einen Kaninchenbau passt.

Wozu hat der Shepherd so hübsche Farben? Nicht, damit wir ihn süüüüüß!!!! finden, sondern, damit der Schäfer ihn von seinen Schafen unterscheiden kann.

Wozu stellt der Vizsla seine Vorderpfote hoch? Nicht damit wir denken, wir hätten ihm ein Kunststück beigebracht, sondern als Anzeigeverhalten für den Jäger, wenn der Hund Beute gesichtet hat.

Wozu rennt und läuft der Jack-Russell-Terrier ruhelos durch die Gegend? Nicht, damit wir ihn auf unseren Reitausflug mitnehmen, denn eigentlich bleibt er am Hof und hält diesen frei von Ratten und Mäusen. Für den Reitausflug gibt es eigentlich den Dalmatiner.

Wozu ist der Schäferhund seinem Menschen treu, folgsam und unglaublich ergeben? Nicht, damit er auf dem Hundeplatz auf Kommando Menschen verbellt, ihnen in die Arme beißt und nicht mehr loslässt. Seine Zugewandtheit rührt daher, weil er ein SCHÄFER-HUND ist.

Wozu hat der Herdenschutzhund-Welpe so plüschiges Fell? Nicht damit wir ihn fälschlicherweise für einen Teddy-Bären halten, sondern weil er draußen in seiner Viehherde geboren, allen Witterungen trotzen muß.

Wozu schleppt der Retriever gerne Gegenstände im Haus durch die Gegend? Nicht, damit wir denken, er hätte ein Geschenk für uns, sondern weil es ihm als hochpassionierter Jäger in die Wiege gelegt ist, erschossene Beute zu apportieren.

Wozu bellt der Hovawart am Gartenzaun? Nicht um sich selber darzustellen oder den Nachbarn auf den Wecker zu gehen, sondern weil er ein territorialer Hund ist, der den Hov wart et (= Hof beschützt)

Wozu hat der Mops ein Gesicht passend dem Kindchenschema? Nicht, damit wir ihn nicht ernst nehmen - er kann nichts dafür, er ist das Ergebnis von menschenhand-gemachter Qualzucht.

Lasst Euch nicht blenden von einer hübschen Verkleidung, sonst habt Ihr nachher einen Wolf im Schafspelz zu Hause und Enttäuschung ist auf beiden Seiten vorprogrammiert.

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