Schmankerl für den Wolf



Da ist er nun - Gevatter Wolf. Er hat sich ausgerechnet Deutschland ausgesucht, um sich zu verbreiten. Ob das so eine gute Idee war? Erst fand man Spuren in der Lausitz, dann in Niedersachsen, Nordrhein-Westphalen und Mecklenburg-Vorpommern und nun auch in Mölln. Hier fand man nicht nur Spuren von ihm, sondern gleich das ganze Tier in stattlichem Ausmaß. Nach verschiedenen Videos von Wolfsrudeln in waidmännischen Revieren und Bundeswehrgebieten, wurde der Möllner Wolf dabei gefilmt, wie er sich eine Schafherde zum Treiben aussuchte. Dabei fällt auf, daß sich der Wolf vollkommen unbeeindruckt von den menschlichen Vertreibungsversuchen zeigt und zuletzt auch seinem Anliegen Schafe zu reißen, nachkommt: zwei Stück bleiben verschwunden, zwei weitere erliegen ihren Verletzungen. Experten werden gefragt, warum der Wolf keine Scheu zeigte und erste Stimmen werden laut, es könnte sein, daß dieser Wolf angefüttert wurde. Dazu kommen Meinungen, daß handaufgezogene Wölfe gefährlicher sind als frei lebende. Da kommt mir spontan der Satz in den Kopf: "(Hand)Fütterung führt zu abforderndem Verhalten." Nochmal: "Handaufgezogene Wölfe sind gefährlich!" so die Aussage von Wolfsexperten, allerdings - dies sei erwähnt, bringt man diese Möglichkeit der Aggression nicht in Zusammenhang mit der Fütterung durch den Menschen, sondern begründet es mit erwachendem (erwachsenem)  Territorialverhalten. Könnte es nicht sein, daß dieser Wolf durch Fütterung (und das kann im Zweifel auch eine Mülltonne sein) seine Scheu verloren hat? Wenn das so ist, dann würde es am Ende des Tages bedeuten, daß das Gastspiel der Wölfe in Deutschland nur von kurzer Dauer sein könnte. 
 Wir Deutschen neigen ja bekanntermaßen dazu, immer und überall alles füttern zu müssen: egal ob die Taube in der Stadt oder eine Ente auf dem Teich: Futter für irgendwen ist immer und überall dabei und wird wahllos verteilt. Da sieht man im Wildpark den Vater, der seinen 8-jährigen und noch normal tickenden Sohn geradezu nötigt, die Ziegen doch zu füttern, obwohl Sohnemann - noch nicht kulturversaut - seine Individualdistanz gewahrt wissen will. In den Innenstädten werden einerseits die Tauben gefüttert und andererseits Köder mit "Antibabypillen" versehen, die Enten mit Toastbrot versorgt und gleichzeitig kippt das Teichwasser und verwandelt sich in eine braune stinkende Brühe. Warum nur meinen wir immer und alles füttern zu müssen? Ist das ein Kriegserbe? Oder versuchen wir damit nur, unser schlechtes Gewissen wegen der permanenten Ausbeutung der Natur zu beruhigen? 
Zurück zum Wolf: Wenn es wirklich Menschen gibt, die ihn anfüttern, egal ob absichtlich oder unabsichtlich, dann wird er ein echter "Kultur"folger und folgt uns in die Städte und Parks. Er verliert zusehends seine Scheu und wird immer mehr die Individualdistanz unterschreiten. Er wird sich an den ihm präsentierten Schafen bedienen und keine Rücksicht auf menschliche Bedürfnisse haben - hat man ihm doch bisher sein Essen leicht zugänglich gemacht. Und dann wird es so sein, wie im Zauberlehrling: "Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht mehr los...!" Ich fürchte für den Wolf ein extrem kurzes Gastspiel. 

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