selber Schuld?


Was wäre eigentlich, wenn wir feststellen würden, daß der Alltag unserer Hunde dafür verantwortlich ist, daß sie Allergien, Herz-Kreislauferkrankungen oder gar Krebs entwickeln? 

Was wäre eigentlich, wenn wir die Verantwortung dafür nicht den Genen oder dem Züchter in die Schuhe schieben könnten. Was wäre, wenn wir nicht alles mit den Behauptungen der Wissenschaft „der Hund hat sich dem Menschen angepasst“ erklären könnten und vom Hund erwarten würden, sich eben auch anzupassen? Was, wenn die Krankheiten „hausgemacht“ sind, weil wir den Hund in ein Leben „zwingen“, das er so gar nicht leben würde?

In der Praxis stellen wir zunehmend mehr Erkrankungen der Hunde fest. Kaum ein Hund, der nicht wenigstens an einer Allergie oder Schilddrüsenproblematik leiden würde. Die Todesursachen von Hunden sind nicht selten Krebserkrankungen. Bis dahin leiden Hunden zum Beispiel unter Ellbogen- oder Hüftgelenksdysplasie, Herzbeschwerden oder Diabetes. Früher war die Lebenserwartung von Hunden deutlich höher als heutzutage. Nun könnte man sagen, daß die Hundezucht früher nicht so weit fortgeschritten war und auch nach anderen, in der Regel für den jeweiligen Verwendungszweck ausgerichteten Merkmalen erfolgte. Dies könnte ein Grund für ein längeres Leben sein. Heutzutage hingegen und seit einigen Jahrzehnten legt die Rassehundezucht ihren Schwerpunkt fast ausschließlich auf optische Merkmale. Dies führt mit Sicherheit zumindest bei einigen Hunderassen zu einer verkürzten Lebensdauer aufgrund der rassetypischen äußeren und inneren Veränderungen des Hundes. Auch die genetische Vielfalt ist - so die Kritik an der modernen Hundezucht - zunehmend eingeschränkt, Genpools werden enger und Inzucht ist die Folge. Doch auch das Umfeld, in dem der Hund lebt, hat sich verändert. Früher wurden Hunde auf den Bauernhöfen zum Beispiel mit Essensresten ernährt, die Jagdhunde bekamen einen Teil der Beute ab und andere lebten von dem, was am Tisch übrigblieb. Erst mit dem Fortschreiten der Industrialisierung entstanden extra Futtermittel für die Hund und Katze. Dosen- und Trockenfutter stellen heute ein großes Marktsegment dar, von den unzähligen Nahrungsergänzungen und Diätfuttermitteln ganz zu schweigen. Auch die medizinische Versorgung hat sich immens verbessert. Nach Röntgen und Antibiotika haben auch die Goldakupunktur und Magnetresonanzdiagnostik nicht nur im Humanbereich sondern längst in der Tiermedizin Einzug gehalten.

Wenn schon nicht unbedingt die Rassehundezucht, so liefert doch wenigstens die Futermittelindustrie und medizinische Versorgung die Basis für ein langes und gesundes Hundeleben. Oder etwa nicht?

Wie kann es sein, daß der Hund von heute mehr denn je unter Krankheiten leidet? Liegt es an der verbesserten Diagnostik? Oder an der optimierten tiermedizinischen Versorgung? Oder an den „schlechten“ Genen? Was steckt im Futter, daß wir immer mehr „exotisches“ Fleisch auf dem Markt finden, weil Hunde Rind und Huhn nicht mehr vertragen? Woher stammen all die Allergien, wenn doch die Ernährung mit abgestimmten Futter so viel besser ist als noch vor einigen Jahren?

Die typischen Erkrankungen der Hunde heute ähneln sehr den Erkrankungen der Menschen: Diabetes, Autoimmunerkrankungen (wie z.B. die subklinische Schilddrüsenunterfunktion beim Hund), Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen, Allergien aber auch zunehmend mehr Angststörungen bis hin zu depressiven Zuständen sind beim Hund zu finden. Zu den psychischen Störungen beim Hund zählen zum Beispiel übersteigerte Unsicherheiten, Angst und Panik bei verschiedenen Umweltreizen (Geräusche oder optische Wahrnehmung), Zerstörungswut aber auch Probleme beim Alleinsein und übersteigerte Aggression und Hyperaktivität. All diese Abweichungen vom Normalverhalten erklären sich durch einen veränderten Gehirnstoffwechsel. Wie aber kommt es dazu? Wie verändert sich der Gehirnstoffwechsel, was beeinflußt ihn?
Ohne Frage - dies ist ein sehr komplexes Thema, welches hier nicht erklärt werden kann. Fakt ist aber, daß chronischer Stress durch die Dauerbelastung des Körpers zu einem Eindringen von Cortisol und anderen Stresshormonen in den Zellkern führen kann. Dieses Eindringen verändert epigenetisch die Erbinformation im Zellinnern. So werden diese Informationen an die nächste Generation weitergegeben, wenn mit diesem Hund gezüchtet wird. Mindestens aber verändert sich auch seine eigene weitere Zellteilung. So kann es dazu kommen, daß bestimmte Aufgaben von dieser Zelle nicht mehr oder nur noch verändert ablaufen. Dies dient der Anpassung des Organismus an seine veränderte Umwelt und hat einen Einfluß auf sein weiteres Verhalten und den Stoffwechsel. Die Folge sind stressbedingte Erkrankungen und Verhaltensänderungen.
Nun wäre es noch wichtig zu wissen, was löst denn bei einem Hund chronischen Stress aus? Kein Hundehalter - möchte ich mal behaupten - möchte seinen Hund chronischem Stress aussetzen. Doch gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht. Denn dazu müsste man erst einmal wissen, ob das, was man mit seinem Hund so tut, auch wirklich gut ist für ihn. Es gibt Hunde, die sind gestresst, weil sie täglich alleine bleiben müssen. Andere sind gestresst, weil sie täglich dreimal Gassi gehen. Ballspielen oder Aktivitäten wie Dog Dancing oder Agiltity können für manch einen Hund zu viel Stress sein und wieder andere drehen beim Fahrradfahren hoch.
Hilfreich wäre die kritische Beleuchtung dessen, was man dem Hund über den Tag abverlangt. Die klassischen Stressanzeichen sind: Hecheln auch in Ruhe oder bei Kälte, nach hinten geklappte Ohren (Ohrspitzen treffen fast zusammen), hochfahren in bestimmten Situationen, Unruhezustände, aber auch Pfotenkauen oder exzessives Lecken von bestimmten Körperteilen in Ruhe. Wenn man als Hundehalter unsicher ist, ob der eigene Hund unter Dauerstress leidet, sollte man einen Fachmann zu Rate ziehen, der einem hilft, die Situation für den Hund richtig einzuschätzen. Auch wenn es schwerfällt, für viele Hunde ist weniger - mehr.
Am Ende wird es eine ungünstige Kombination von allem sein: Gene, die Krankheiten begünstigen, entwicklungsbedingte Veränderungen der Gene durch Vorerfahrungen der Elterntiere, künstliches Futter, tiermedizinische (Über-)versorgung wie zum Beispiel Über-Impfungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten aber auch die Tagesportion Stress. Doch nur, wer dahingehend senisbilisiert ist, kann auch hinsehen und etwas ändern.

In diesem Sinne - auf ein langes und gesundes Hundeleben!

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