Von Pferden, Hühnern und grasfressenden Hunden

















Das Leben beginnt mit Fortpflanzung und setzt sich mit Nahrungsaufnahme als erstes Verhalten nach der Geburt fort. Das sind auch die beiden wesentlichen Instinkte, die uns (Säuge)-tiere miteinander verbindet. Bereist man fremde Länder, in denen Sprachen gesprochen werden, die man nicht versteht und möchte man die andere Kultur kennenlernen, ist die gemeinsame Nahrungsaufnahme etwas, das uns miteinander verbinden kann. So hat sich kulturell die Gastfreundschaft entwickelt. Man bietet dem Fremden etwas Nahrung an und signalisiert damit eine friedliche Stimmung. Oft bringen Fremde auch etwas Nahrung aus der eigenen Heimat als Gastgeschenk mit und auch hier ist die Aussage für den Beschenkten: Ich komme in freundlicher Absicht. Denn da, wo gegessen wird, kann nicht gekämpft werden. Wir finden ähnliche Gesten auch heute noch bei den Politikern, wenn sie sich bei Vertragsunterzeichnungen die Hände schütteln. Dies ist symbolisch die Übergabe von Nahrung.
Von unseren Haustieren kennen wir ein ähnliches Verhalten: Monty Roberts, ein passionierter Pferdeflüsterer aus den USA benennt das Kauen und Lecken des Pferdes beim "Join-up" als ein Symbol der Akzeptanz und die damit verbundene Bitte, sich dem Menschen anschließen zu dürfen. Beobachtet man die Vergesellschaftung von anderen Haustieren miteinander, kann man Ähnliches sehen: Wenn alle gemeinsam aus einem Napf fressen, ist das Eis gebrochen, der Neue in der Gruppe aufgenommen. Wird ein neues Pferd in die Herde integriert, sorgt man einerseits für viel Fläche zum Ausweichen und andererseits für viel Heu oder Gras. Fressen und Kauen sorgt für eine entspannte Grundstimmung, baut Spannungen ab und ist eine gemeinsame existenzielle Aktivität, die miteinander verbindet - vorausgesetzt, es ist genug davon da! (Sind deshalb die Tische, wenn Besuch kommt, auch immer so üppig bestückt...??)

Oftmals kann man auch beobachten, wie gerade das neue Tier innerhalb einer tierischen Gesellschaft beginnt, mangels anderer Nahrung, Gras zu fressen oder zu picken. Sozusagen als Zeichen für die friedliche Absicht, in der man unterwegs ist: "Schau, ich esse, dann kann ich nicht kämpfen, ich bin freundlich und beschäftige mich mit etwas Anderem als Dir."

Und wie ist das bei unseren Hunden?
Die gängige Meinung ist:

- Sie fressen Gras, weil ihnen der Magen drückt.

- Sie lecken sich die Schnauze und Nase, weil sie einen inneren Konflikt haben, nicht wissen, was sie tun sollen und machen dann eine Übersprungshandlung. (Als Übersprungshandlung wird eine Handlung aus einem anderen Funktionskreis benannt, wobei dieser "neue" Funktionskreis mit dem ursprünglichen nichts zu tun hat siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Übersprungbewegung).

- Sie schnuppern am Boden (gehört auch zum Nahrungsaufnahmeverhalten), weil es dort so interessant riecht.

- das hat alles keine Bedeutung, Hunde tun viele Dinge, von denen sie selber nicht wissen, warum

Das Verhalten von Pferden, die längst nicht so lange domestiziert sind, wird offenbar viel besser verstanden wird als das von Hunden. Bei allem Respekt vor wissenschaftlichen Erkenntnissen, vielleicht ist es an der Zeit, kritisch zu hinterfragen und Wissenstransfer zu nutzen. Oder einfach selber mal beobachten, wie es bei anderen Tieren ist.

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